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Hieronymus († 420) - Briefe
II.b. Aszetische Briefe: Mahnbriefe
147. An den Diakon Sabinianus Mahnung zur Buße

4.

Ich flehe Dich an: „Habe doch Erbarmen mit Deiner Seele! Glaube an das kommende Gericht Gottes! Bedenke, welcher Bischof Dich zum Diakon geweiht hat!“ Es ist ganz erklärlich, daß ein Mann, mag er noch so heilig sein, bei der Wahl eines Menschen sich irren konnte, 1 wo selbst Gott bereute, daß er Saul zum König salben ließ, 2 und unter den zwölf Aposteln sich der Verräter Judas befand. 3 Gehörte doch zu den Männern Deines Standes jener Nikolaus aus Antiochia, der Urheber aller Unreinigkeit und der Irrlehre der Ophiten, [S. 373] wie berichtet wird. 4 Ich will Dir jetzt nicht vorhalten, daß Du mehrere Jungfrauen ihrer Unschuld beraubt hast, daß mehrere Ehefrauen vornehmen Standes, die Du entehrt hast, öffentlich hingerichtet wurden. Ich will Dir nicht vorhalten, wie Du, Wüstling und Schwelger, die Stätten der Unzucht abgelaufen hast. Das alles sind Dinge, die schwerwiegend, aber leicht sind im Vergleich zu dem, was ich noch vorzubringen habe. Was muß das aber schon für ein Verbrechen sein, dem gegenüber Schändung und Ehebruch als Kleinigkeiten gelten? Du unglücklichster aller Sterblichen, Du hast die Höhle, in der Gottes Sohn geboren wurde, in der die Wahrheit aus der Erde sproßte und die Erde ihre Frucht gab, 5 betreten, um Dich zu einem sündhaften Stelldichein an diesem Orte zu verabreden. Fürchtest Du nicht, daß das Kindlein aus der Wiege schreit? Daß Dich die Jungfrau, die dort ihr Kind zur Welt brachte, sieht, daß die Mutter des Herrn Dich erblickt? Die Engel jubeln, die Hirten eilen herbei, 6 der Stern glänzt über der Höhle, die Weisen beten an, Herodes gerät in Furcht, Jerusalem erzittert, 7 und Du schleichst in die Zelle einer gottgeweihten Jungfrau, um sie zu verführen? O du Elender, ich zittere, und es durchschauert mich an Leib und Seele, wenn ich Dir Dein schändliches Werk vor Augen führen will. Die ganze Kirche pries Christum den Herrn in den nächtlichen Vigilien, ein und derselbe Geist vereinigte die verschiedensten Sprachen zum Lobe Gottes. Zur gleichen Stunde klemmtest Du zwischen die Türe zur einstigen Krippe des Herrn, wo jetzt der Altar steht, Liebesbriefe, die dann die Unglückselige, wenn sie das Knie scheinbar zur Anbetung beugte, finden und lesen sollte. Kurz darauf standest Du unter den Psalmensängern und sprachst mit ihr durch unzüchtige Blicke.

1: Da die Weihe in Oberitalien stattfand, lassen die Worte „a quali episcopo“, „quamvis sanctum hominem“ an den hl. Ambrosius denken. Vgl. auch c. 10 S. 380.
2: 1 Kön. 15, 11.
3: Matth. 26, 47 f.; Mark. 14, 43 f.; Luk. 22, 47 f.; Joh. 18, 2.
4: Vgl. S. 288 Anm. 5.
5: Ps. 84, 12 f.
6: Luk. 2, 13. 16.
7: Matth. 2, 9. 11. 3.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger