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Hieronymus († 420) - Briefe
II.b. Aszetische Briefe: Mahnbriefe
147. An den Diakon Sabinianus Mahnung zur Buße

1.

Samuel trauerte einst über Saul, weil es den Herrn gereute, daß er ihn zum König über Israel hatte salben lassen. 1 Paulus ermahnte unter Tränen die Korinther, weil unter ihnen ein Fall von Unzucht vorgekommen war, ein Vergehen solcher Art, wie es selbst den Heiden fremd war. 2 Mit flehentlichen Worten schreibt er an sie: „Gott möchte mich, wenn ich wiederum [S. 367] komme, an euch demütigen, und ich müßte Klage führen über viele, die früher gesündigt und für die Unreinheit, Schamlosigkeit und Unzucht, die sie verübt, nicht Buße getan haben.“ 3 Wenn der Prophet und der Apostel, welche sich frei wußten von jeglichem Makel, bei ihrer milden Gesinnung so handelten, um wie viel mehr muß ich, selbst ein sündiger Mensch, in Güte gegen Dich, den Sünder, vorgehen, der Du nach Deinem Falle Dich nicht wieder aufrichten und die Augen zum Himmel erheben willst! Nachdem Du das väterliche Vermögen durchgebracht hast, tust Du Dir gütlich an den für die Schweine bestimmten Trebern. 4 Du erklimmst die schroffen Felsen des Hochmutes, um jählings in den Abgrund zu stürzen. Du willst den Bauch statt Christus zu Deinem Gotte machen. 5 Du bist ein Sklave der Lust, Du rühmst Dich Deiner Zügellosigkeit. Wie ein fettes Opfertier mästest Du Dich Deinem eigenen Tode entgegen. Du ahmst die Laster jener nach, deren Höllenqualen Du für Dich nicht zu fürchten scheinst. Weißt Du denn nicht, daß Gottes Güte Dich zur Buße mahnt? Die Verstocktheit Deines unbußfertigen Herzens häuft immer neuen Zorn auf für den Tag des Zornes. 6 Oder verhärtet sich wie bei Pharao Dein Herz deshalb, 7 weil die Strafe nicht sofort über Dich kommt und die Vergeltung lange auf sich warten läßt? Auch Pharao erhielt Aufschub. Nicht der zürnende Gott, sondern der warnende Vater suchte ihn mit den zehn Plagen heim, bis seine ihm leidgewordene Reue das Maß vollmachte, als er dem Volke nach seiner Abwanderung in die Wüste nachfolgte und sich unterfing, seine Schritte ins Meer zu lenken. 8 Dieses allein konnte ihn belehren, daß man den fürchten muß, dem auch die Elemente dienen. Auch Pharao hatte gesprochen: „Ich kenne den Herrn nicht, und ich lasse Israel nicht ziehen.“ 9 Du magst es ihm gleichtun und sagen: „Das Gesicht, das er schaut, ist [S. 368] für weite Tage, und er prophezeit für ferne Zeiten.“ 10 Deshalb spricht Adonai, der Herr: „Alle meine Worte, die immer ich rede, sollen nicht mehr länger hinausgeschoben werden; ich werde reden und alsbald handeln.“ 11 Der heilige König David sagt von den Gottlosen und Lasterhaften, unter denen Du wahrhaftig keine bescheidene Rolle spielst, sondern der ersten einer bist, daß sie sich am Glück der Welt erfreuen und sagen: „Woher sollte es Gott wissen, wie der Allerhöchste es erkennen? Siehe, die Sünder haben Überfluß in der Welt und schwelgen im Reichtum.“ 12 Wenn er bei dieser Erfahrung beinahe gestrauchelt wäre und den festen Halt verloren hätte, so begründet er dies mit den Worten: „Also habe ich mich umsonst für die Gerechtigkeit eingesetzt und meine Hände in Unschuld gewaschen.“ 13 Kurz zuvor spricht er nämlich: „Ich beneidete die Übeltäter, da ich den Frieden der Sünder sah; denn sie denken nicht an den Tod, und die Plage ihrer Züchtigung hält nicht an. An der Trübsal der Menschen haben sie keinen Anteil, und das Unglück, das andere trifft, geht an ihnen vorüber. Deshalb verfallen sie in Stolz. Die Gottlosigkeit und Schlechtigkeit bedeckt sie vollends, Ihre Bosheit steigt gleichsam aus dem Fette auf, und den Lüsten ihres Herzens gehen sie nach. Sie denken und sprechen nur Schlechtes. Sie lästern den Allerhöchsten. Ihr Mund versteigt sich bis zum Himmel, und ihre Lästerzunge verbreitet sich über die ganze Erde.“ 14

1: 1 Kön. 15, 11.
2: 1 Kor. 5, 1.
3: 2 Kor. 12, 21.
4: Luk. 15, 13 ff.
5: Phil. 3, 19.
6: Röm. 2, 5.
7: Exod. 4, 21; 7, 3 u. ö.
8: Ebd. 7, 14—14, 28.
9: Ebd. 5, 2.
10: Ezech. 12, 27.
11: Ebd. 12, 28 (nach LXX).
12: Ps. 72, 11 f.
13: Ebd. 72, 2. 13.
14: Ebd. 72, 3 ff.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger