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Hieronymus († 420) - Briefe
II.b. Aszetische Briefe: Mahnbriefe
145. An Exsuperantius über die Buße

[Brief]

Unter allem, was mir die Freundschaft mit dem ehrwürdigen Bruder Quintilian geboten hat, schätze ich am höchsten, daß sie mich auch mit Dir, wenn Du mir auch persönlich unbekannt bist, in geistige Beziehung gebracht hat. Wer sollte nicht einen Mann liebgewinnen, [S. 364] der im Soldatenmantel und in der Uniform die Werke der Propheten vollbringt und den äußeren Menschen, der es gar nicht ahnen läßt, durch den inneren Menschen, der nach dem Ebenbilde Gottes geschaffen ist, 1 überwindet? Deshalb will auch ich als erster Dich zum brieflichen Gedankenaustausch einladen. Zugleich bitte ich Dich, mir Gelegenheit zu geben, Dir recht häufig wieder schreiben zu können. Dann vermag ich auch freier zu sprechen. Für den Augenblick möge es genügen, Deine Einsicht ganz kurz hinzulenken auf den Ausspruch des Apostels: „Bist Du an eine Gattin gebunden, dann suche keine Scheidung; bist Du aber frei, dann bemühe Dich nicht um eine Frau!“ 2 Das will besagen: „Strebe nicht nach einer Verbindung, welche Dir die Freiheit nimmt.“ Wer als Ehemann Pflichten zu erfüllen hat, ist gebunden; wer gebunden ist, ist ein Sklave. Wer aber ledig ist, der ist frei. Da Du Dich nun der Freiheit Christi erfreust und anders handelst, als Dein Beruf vermuten läßt, da Du sozusagen bereits auf dem Dache des Hauses stehst, so sollst Du nicht mehr herabsteigen, um Deinen Rock zu holen, 3 noch rückwärts schauen, noch den Sterz loslassen, 4 nachdem Du einmal die Hand an den Pflug gelegt hast. Mache es, wenn möglich, wie Joseph und überlasse der ägyptischen Herrin Deinen Mantel, 5 um von allem entblößt dem Herrn und Erlöser nachzufolgen, der im Evangelium spricht: „Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, kann nicht mein Jünger sein.“ 6 Wirf die Last der Welt ab und suche nicht Reichtümer, welche das Evangelium mit den buckligen Kamelen vergleicht. 7 Schwinge Dich ledig und leicht zum Himmel auf, damit nicht des Goldes Gewicht die Flügel Deiner Tugenden beschwere. Ich schreibe dies nicht etwa, weil Du mir als Geizhals verschrien wurdest. Es ist meine persönliche Vermutung, daß Du deshalb weiter Kriegsdienst tust, um Deinen Beutel zu füllen, [S. 365] den der Herr zu leeren befohlen hat. Wenn also diejenigen, die Besitz und Reichtum ihr eigen nennen, aufgefordert werden, alles zu verkaufen, den Armen zu geben und dann dem Herrn nachzufolgen, 8 dann mußt Du Dich, falls Du reich bist, diesem Gebot anpassen. Bist Du aber bislang arm, dann bemühe Dich nicht um Besitz, bloß um ihn später verteilen zu können. Sicherlich nimmt Christus auf Grund des guten Willens alles als empfangen an. Niemand war ärmer als die Apostel, und doch hat niemand um des Herrn willen soviel verlassen als sie. Die arme Witwe, die zwei kleine Münzen in den Opferstock warf, wird im Evangelium allen Reichen vorgezogen, weil sie auf ihren ganzen Besitz verzichtete. 9 Du brauchst Dich also nicht um Besitz zu bemühen, damit Du ihn verteilen kannst. Was Du aber hast, das verschenke, damit Christus in Dir seinen entschlossenen Rekruten erkenne. Dann wird Dir, wenn Du aus weiter Ferne zurückkehrst, der Vater freudigen Herzens entgegeneilen, Dir ein neues Gewand geben, einen Ring an Deinen Finger tun und für Dich das Mastkalb schlachten. 10 Hast Du Dich von allem freigemacht, dann möge er es auch fügen, daß Du bald zusammen mit dem heiligen Bruder Quintilian zu uns übers Meer fährst. Ich habe an die Pforte der Freundschaft geklopft. Wenn Du öffnest, so wirst Du mich häufig zu Gaste sehen.

1: Gen. 1, 26 f.
2: 1 Kor. 7, 27.
3: Matth. 24, 17 f.
4: Luk. 9, 62.
5: Gen. 39, 12.
6: Luk. 14, 27.
7: Matth. 19, 24.
8: Matth. 19, 21.
9: Mark. 12, 41 ff.
10: Luk. 15, 20 ff.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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