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Hieronymus († 420) - Briefe
II.b. Aszetische Briefe: Mahnbriefe
122. An Rusticus über die Buße

2.

Wie weit geht nicht Gottes mildreiche Güte! Wozu erkühnt sich nicht unsere Herzenshärte! Nach so vielen Freveltaten mahnt er uns an die Rettung unserer Seele, und trotzdem wollen wir uns nicht dem Bessern zuwenden. Es heißt: „Wenn die Frau ihren Mann verlassen hat, um einen anderen zu heiraten, und wenn sie dann später zu ihm zurückkehren will, wird er sie wohl aufnehmen und nicht vielmehr zurückweisen?“ 1 Statt dessen lesen wir in der hebräischen Wahrheit — in den griechischen und lateinischen Handschriften fehlen diese Worte —: „Du hast mich verlassen, Trotzdem kehre zurück, und ich will dich wieder aufnehmen, spricht der Herr.“ 2 Im gleichen Sinne äußert sich Isaias beinahe mit den gleichen Worten: „Kehret zurück, ihr Kinder Israels, die ihr Böses sinnend in den Abgrund der Sünde gefallen seid. 3 Kehre zurück zu mir, und ich will dich erlösen! 4 Ich bin euer Gott, und es gibt keinen Gott außer mir. Ich bin der Gerechte, und einen Retter außer mir gibt es nicht. Kehret zu mir zurück, und ihr werdet gerettet werden, die ihr an den Enden der Erde wohnet. 5 Erinnert euch dessen, seufzet auf und tuet Buße, die ihr in die Irre gehet. Bekehret euch von Herzen und gedenket dessen, was sich seit Beginn der Zeiten ereignet hat. Denn ich bin euer Gott, und kein Gott ist außer mir.“ 6 Es schreibt der Prophet Joel: „Bekehret euch zu mir aus eurem ganzen Herzen in Fasten, Tränen und Seufzen! Zerreißet eure Herzen und [S. 355] nicht eure Kleider; denn gnädig ist der Herr und voller Erbarmung, und es reuet ihn die Züchtigung, die er wegen der Sünde verhängen will.“ 7 Wie weit aber Gottes Barmherzigkeit reicht, wie groß und unaussprechlich seine Milde ist, darüber möge uns der Prophet Osee belehren. Gott der Herr spricht durch ihn: „Was soll ich dir tun, Ephraim? Wie dich schützen, Israel? Soll ich mit dir verfahren wie mit Adama und Seboim? Mein Herz hat sich umgewandelt in mir, meine Absicht, dich zu strafen, habe ich darangegeben. Meinen Zorn und meinen Grimm will ich nicht an dir auslassen.“ 8 Deshalb verkündet auch David in einem Psalm: „Im Tode gedenket niemand Deiner. Wer wird Dich in der Unterwelt preisen?“ 9 Und an anderer Stelle sagt er: „Meine Sünde habe ich Dir kundgetan und meine Missetat nicht vor Dir verborgen. Ich sprach: Ich will bekennen wider mich meine Bosheit vor dem Herrn, und Du hast die Gottlosigkeit meines Herzens nachgelassen. Deshalb wird jeder Heilige zu Dir beten zur rechten Zeit. Mag die Flut der vielen Wasser noch so sehr ansteigen, an ihn werden sie nicht heranreichen.“ 10

1: Ebd. 3, 1. Der Text stimmt weder mit dem masorethischen noch mit dem der LXX überein.
2: Ebd. 3, 1. Die Übereinstimmung mit dem hebräischen Text ist nur sinngemäß.
3: Is. 31, 6 (nach LXX).
4: Ebd. 44, 22 (nach LXX).
5: Ebd. 45, 21 f. (nach LXX).
6: Ebd. 46, 8 f. (nach LXX).
7: Joel 2, 12 f. (nach LXX).
8: Osee 11, 8 f. (nach LXX).
9: Ps. 6, 6.
10: Ebd. 31, 5 f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger