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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo XII-XX: Neun Predigten über das Fasten im Dezember.
Sermo XV. 4. Predigt über das Fasten im Dezember.

2.

Dazu gehört auch das feierliche Fasten des Monats Dezember, in dem wir gerade stehen. Dies darf man nicht etwa darum vernachlässigen, weil es aus den Vorschriften des Alten Gesetzes herüber genommen ist, gleich als ob es zu den Satzungen gehörte, die ebenso wie die "Unterscheidungen der Speisen", die verschiedenen "Reinigungen", die "Opfer geflügelter und vierfüßiger Tiere" aufgehört haben. Nehmen doch die Vorbilder für das, was kommen sollte, ein Ende , sobald sie erfüllt sind. Das nützliche Fasten jedoch hat das gnadenreiche Neue Testament nicht aufgehoben. Es hat vielmehr die Enthaltsamkeit, die unserem Körper und unserer Seele zu allen Zeiten förderlich sein wird, als frommen Brauch beibehalten. Gleichwie für den christlichen Bekenner ebenso wie alle anderen Gebote dieser Art die Worte Geltung haben: "den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen!"1 . "Den Herrn, deinen Gott, sollst du lieben aus deinem ganzen Herzen!" "Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst!"2 , so wird auch das, was in jenen Büchern über die heiligende und heilende Kraft des Almosens gelehrt wird, durch keinerlei Auslegung entkräftet.

Denn zu allen Zeiten und an allen Tagen dieses Erdenlebens macht uns das Fasten gegen die Sünde widerstandsfähiger: es unterdrückt die Begierden, vertreibt die Versuchungen, demütigt den Stolz, besänftigt den Groll und läßt alle Regungen eines guten Willens zur vollen Tugendreife gelangen, wenn es sich nur die wohlwollende christliche Liebe zur Gefährtin nimmt und sich weise in den Werken der Barmherzigkeit übt. Ist ja ein Fasten ohne Almosen nicht so sehr eine Reinigung der Seele als nur eine Abtötung des Fleisches. Ist es ja außerdem mehr Geiz als Enthaltsamkeit, wenn einer das Fasten so betreibt, daß er sich auch der Mildtätigkeit enthält. Darum sei unser Fasten, Geliebteste, reich an Früchten der Freigebigkeit und ergiebig an gütigen Spenden für die christlichen Armen! Auch die weniger Bemittelten sollen bei diesem Liebeswerk nicht säumen, weil etwa das, was sie von ihrer Habe noch wegnehmen können, nur gering ist! Der Herr kennt die Kräfte aller, und da uns seine Gerechtigkeit durchschaut, so weiß er gar wohl, welches Geschenk ein jeder gibt und von welchem Besitze er es nimmt. Freilich kann ungleiches Gut nicht gleich große Opfer bringen, allein zumeist wird durch Verdienste ausgeglichen, was an sachlichem Werte abgeht; denn die Gesinnung kann auch da dieselbe sein, wo das Vermögen verschieden ist. Damit also dies alles unter Gottes Beistand voll frommer Hingebung ausgeführt werde, wollen wir am Mittwoch und Freitag fasten, am Samstag aber beim heiligen Petrus die Vigilien feiern, auf daß wir uns, durch seine Fürbitten unterstützt, in allem Gottes Barmherzigkeit verdienen!

1: Mt 4,10; Dt 6,13; 10,20; Lk 4,8
2: Mt 22,37.39; Mk 12,30f.vgl. Röm 13,9; Gal 5,14; Jak 2,8

 

 

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