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Hieronymus († 420) - Briefe
II.b. Aszetische Briefe: Mahnbriefe
117. An Mutter und Tochter in Gallien

9.

Ich bitte Dich deshalb, höre auf meine Mahnung, auf meine Bitte, und trachte, Dich mit Deiner Mutter und, falls dies nicht möglich sein sollte, wenigstens mit Deinem Bruder auszusöhnen! Verabscheust Du aber weiterhin in feindseliger Einstellung die Träger dieser teuren Namen, dann trenne Dich wenigstens von dem Manne, dem Du den Vorzug vor Deinen Angehörigen gegeben haben sollst. Wenn Du aber auch das nicht kannst — ihn verlassen heißt ja letzten Endes, zu den Deinen zurückkehren —, dann führe mit Deinem Hausgenossen einen weniger anstößigen Lebenswandel! Wohne nicht im gleichen Hause mit ihm; haltet Eure Mahlzeit getrennt! Wenn Ihr unter dem gleichen Dache wohnt, werden boshafte Menschen Euch beschuldigen, daß Ihr auch ein gemeinschaftliches Bett habt. Du kannst, ohne dabei Deinen guten Ruf allzusehr aufs Spiel zu setzen, von ihm in Deinen Angelegenheiten alle gewünschte Hilfe annehmen. Freilich muß man sich vor jedem Makel hüten, der nach dem Propheten Jeremias von keiner Lauge und keiner Säure weggewaschen werden kann. 1 Willst Du, daß er Dich sieht und besucht, so ziehe Freunde, Freigelassene oder Diener als Zeugen hinzu! Das gute Gewissen braucht keines Menschen Auge zu fürchten. Er trete ein, ohne sich scheu umsehen zu [S. 344] müssen, und in sicherer Haltung verlasse er das Haus. Aus der stummen Sprache der Augen, aus dem ungesprochenen Worte, ja aus der ganzen Haltung des Körpers spricht zuweilen das Gefühl der Bangigkeit oder Sicherheit. Mache Deine Ohren auf und achte auf das, was man sich in der ganzen Stadt zuschreit! Die Bezeichnungen, die Euch von Rechts wegen zustehen, werden Euch nicht mehr beigelegt; dafür belegt man Euch aber nach Eurem Verhalten mit allerhand Beinamen. Du bist für die Leute nur „die Seinige“ und er „der Deinige“. Das erfahren auch Mutter und Bruder. Sie bitten Euch darum, die erforderliche Trennung vorzunehmen, und sind bereit, Euch unter sich aufzuteilen. Dann wird das Ärgernis, das Eure Verbindung erregt, eine allseits befriedigende Regelung finden. Bleibe Du bei der Mutter, und er ziehe zu Deinem Bruder! Du wirst den Gefährten Deines Bruders, ohne weiter Anstoß zu erregen, lieben dürfen, und Deine Mutter wird dem Freunde ihres Sohnes unbefangener ihre Achtung bezeugen können als dem ihrer Tochter. Willst Du aber nicht auf mich hören, sondern schlägst Du meine Ermahnungen voller Entrüstung in den Wind, dann soll dieser Brief in allem Freimut Dir zurufen: „Warum hängst Du Dich an jemand, der in eines anderen Dienst steht? Warum willst Du den Diener Christi zu Deinem Diener machen?“ Schau auf die Leute und lies aus dem Gesicht eines jeden einzelnen! Versieht er in der Kirche das Lektoramt, dann richten sich aller Augen auf Dich. Oder rühmst Du Dich etwa schon mit einer Selbstverständlichkeit, wie sie nur unter Gatten üblich ist, Deiner Schmach? Zum mindesten solltest Du Dich damit begnügen, Deine Schande nicht unter die Leute zu bringen, statt Unverschämtheit mit Freiheit zu verwechseln. „Dein Angesicht ist das einer Buhlerin geworden, und Du errötest nicht darüber.“ 2

1: Jer. 2, 22.
2: Jer. 3, 3.

 

 

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Einleitung zu den Briefen des Hieronymus
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger