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Hieronymus († 420) - Briefe
II.b. Aszetische Briefe: Mahnbriefe
117. An Mutter und Tochter in Gallien

8.

Du wirst sagen: „Woher kennst Du mich denn? Wie kannst Du aus so weiter Ferne Deine Blicke auf mich werfen?“ Die Tränen Deines Bruders und sein Schluchzen, das zeitweise nicht mehr zu ertragen war, haben mich ins Bild gesetzt. Hätte er doch die Unwahrheit gesprochen! Ich wünschte, seine Worte wären keine Anklage, sondern nur Ausdruck der Besorgnis gewesen. Aber glaube mir, Schwester, einer, der unter Tränen erzählt, berichtet keine Unwahrheit. Er grämt sich, daß Du ihm einen jungen Mann vorziehst, der nicht etwa mit gepflegtem Haar und in seidenen Gewändern daherkommt, sondern ein derber Bursche 1 ist und trotz seiner Bußkleider sich der Weichlichkeit hingibt. Er verfügt über den Geldbeutel, regiert in der Webstube, verteilt die Tagesarbeit, gibt dem Gesinde Weisungen und erledigt auf dem Markte die nötigen Einkäufe. Er ist zugleich Verwalter und Herr, er übertrifft die Dienstboten an Geschäftigkeit, die alle an ihm nörgeln und ihn laut beschuldigen, unterschlagen zu haben, was die Herrin ihnen nicht gegeben hat. Die Dienstboten sind nun einmal ein Geschlecht von Querulanten, und magst Du ihnen noch soviel geben, es ist immer zu wenig. Sie berücksichtigen nicht das Vermögen, von dem gegeben wird; sie haben nur Sinn für das, was gegeben wird. Für ihren Schmerz suchen sie dann reichlich Entschädigung in ihren Schmähreden. Der eine [S. 343] nennt ihn einen Schmarotzer, der andere einen Betrüger, der dritte einen Erbschleicher, und ein vierter hat schließlich noch einen weiteren, bisher unbekannten Ehrentitel auf Lager. Überall streuen sie aus, daß er an Deinem Bette sitzt, die Hebamme bestellt, wenn Du krank bist, das Nachtgeschirr reicht, die Leintücher anwärmt und die Binden faltet. Ach wie gern glauben die Menschen das Böse, und was zu Hause erfunden wird, das dringt als Gerücht in die Öffentlichkeit. Wundere Dich nicht, wenn die Dienstboten beiderlei Geschlechtes solche Dinge über Euch zusammenphantasieren; denn Mutter und Bruder erheben ja die gleiche Anklage.

1: Hilberg entscheidet sich für trossulus (vornehmer Stutzer — Persius, Sat. 1, 82), was nicht in den Zusammenhang paßt. Richtiger dürfte die Lesart torosulus sein, da dieser Ausdruck sich auch adv. Jovin. II 14 (M PL XXIII 319) findet.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger