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Hieronymus († 420) - Briefe
II.b. Aszetische Briefe: Mahnbriefe
117. An Mutter und Tochter in Gallien

6.

Es wurde mir auch berichtet, daß Du mit Schwägern, Verwandten und anderen Leuten dieser Art vor die Stadt hinaus aufs Land gehst, um die Annehmlichkeiten des Landaufenthaltes zu genießen. Ich zweifle keinen Augenblick, daß es sich um Deine Base oder Schwester handelt, die Dich als Begleiterin zu dieser neuen Art von Unterhaltung mitnimmt. Es liegt mir fern, von Dir anzunehmen, daß es Dir nur um die Gesellschaft der Männer geht, mögen sie Dir verwandtschaftlich noch so nahestehen. Ich beschwöre Dich nun, o Jungfrau, antworte mir: „Gehst Du allein dorthin in Gesellschaft Deiner Verwandten oder mit Deinem Liebhaber?“ Magst Du noch so schamlos sein, so kann ich doch nicht annehmen, daß Du es wagst, ihn in die Kreise der Weltleute einzuführen. Solltest Du es trotzdem tun, so wird die ganze Familie ihn und Dich durchhecheln, [S. 340] alle werden sie auf Euch mit Fingern zeigen. Selbst Deine Schwester, Dein Schwager, Deine Base, die ihn, um Dir zu schmeicheln, einen Heiligen und einen Mönch nennen, solange Du zugegen bist, werden sich, kaum daß sie außer Hörweite sind, über den wunderlichen Ehemann lustig machen. Wenn Du aber, was ich für das Wahrscheinlichere halte, allein gehst, so wirst Du mit Jungen Sklaven, verheirateten oder vor der Heirat stehenden Frauen, leichtsinnigen Mädchen, geschniegelten und gestriegelten Jünglingen in dunkler Schwesterntracht zusammen sein. Da reicht Dir einer, dem der erste Flaum sproßt, die Hand, um die Ermüdete zu stützen; er drückt Dir die Finger, was für ihn oder für Dich eine Versuchung bedeutet. Unter Männern und Frauen wirst Du Deine Mahlzeit einnehmen. Du siehst gleichsam als Vorspeise, wie andere sich küssen. Wirst Du, ohne für Dich Gefahr zu laufen, ihre seidenen und golddurchwirkten Kleider bewundern? Bei der Mahlzeit zwingt man Dich, gegen Deinen Willen Fleisch zu essen. Man preist Gottes Gabe, um Dich zum Weintrinken anzuregen. Man schimpft auf den Schmutz, damit Du die Bäder besuchst. Tust Du dann das, wozu sie Dir raten, dann werden Dich alle, besonders, wenn es mit einem gewissen Zögern geschieht, als eine saubere und sich natürlich gebende Frau, als Herrin und als Dame voll des Anstandes preisen. Inzwischen wird während des Mahles einer als Sänger auftreten, und während der Lieder liebliche Melodie dahinfließt, wird er Dich, die Du ohne Schutz bist, häufiger anblicken, was er bei den verheirateten Frauen nicht wagen darf. Er wird durch Zeichen reden, und was er sich zu sagen scheut, deutet das Spiel seiner Mienen an. Bei solch lockenden Freuden wird die Lust über den stärksten Willen Herr. Mit um so größerer Gier macht sie sich an eine Jungfrau heran, da sie all das, was sie nicht kennt, um so reizvoller dünkt. Die heidnische Sage berichtet von den Schiffern, daß sie, angelockt vom Gesänge der Sirenen, jählings auf die [S. 341] Riffe auffuhren 1 und daß des Orpheus Zitherspiel Bäume und Tiere, ja selbst das harte Gestein erweichte. 2 Beim Schmausen hält es schwer, die Keuschheit zu bewahren. Hinter einer schönen Haut verbirgt sich nicht selten eine schmutzige Seele.

1: Vergil, Aen. V 864 f.
2: Euripides, Bacch. 562 ff.; Iph. Aul. 1211 f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger