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Hieronymus († 420) - Briefe
II.b. Aszetische Briefe: Mahnbriefe
117. An Mutter und Tochter in Gallien

3.

Du, meine Tochter — schon höre ich auf, zur Mutter zu reden, die vielleicht Alter, Krankheit und Vereinsamung zur Entschuldigung hat —, also Du, die Tochter, hältst die Behausung derjenigen für zu klein, deren Schoß Dir nicht zu enge war? Zehn Monate warst Du dort eingeschlossen, und nun kannst Du es nicht einen Tag mit der Mutter im gleichen Zimmer aushalten? Kannst Du etwa ihren Blick nicht ertragen? Weichst Du ihr aus, weil sie, die Dich geboren, ernährt und großgezogen hat und deshalb Deine Regungen am besten erkennt, eine lästige Zeugin ist? Bist Du noch Jungfrau, warum wehrst Du Dich gegen einen zuverlässigen Schutz? Hast Du Dich verführen lassen, warum heiratest Du nicht in aller Öffentlichkeit? Es ist freilich [S. 336] das letzte rettende Brett nach dem Schiffbruche, 1 wenn Du wenigstens auf diesem Wege in Ordnung bringst, was Du schlecht begonnen hast. Ich sage dies nicht, als ob es nach der Sünde keine Buße gäbe, so daß man, nachdem man schlecht begonnen hat, auch im Schlechten verharren müßte. Ich will nur meinen Zweifel an der Möglichkeit einer Trennung zum Ausdruck bringen, nachdem einmal eine solche enge Verbindung zustande gekommen ist. Kehrst Du aber nach dem Falle zur Mutter zurück, so kannst Du in ihrer Gesellschaft viel besser beweinen, was Du infolge ihrer Abwesenheit verloren hast. Bist Du aber noch unversehrt und hast Deine Jungfräulichkeit nicht eingebüßt, dann hüte sie auch fernerhin! Was zwingt Dich, in einem Hause zu bleiben, in dem Du Tag für Tag entweder zugrunde gehen oder einen Kampf bestehen mußt? Welcher Sterbliche sucht den sicheren Schlaf neben einer Schlange? Und selbst, wenn sie nicht sticht, so beunruhigt sie zum wenigsten. Es gewährt größere Sicherheit, wenn man nicht umkommen kann, als wenn man der bestehenden Gefahr zum Trotze vom Fall in die Sünde verschont bleibt. Das eine Mal lebt man in friedlicher Sicherheit, im anderen Falle ist ständige Wachsamkeit nötig. Dort regiert die frohe Zuversicht, hier entgeht man nur eben der Gefahr.

1: Tertullian, De poenit. 4 (BKV VII 231).

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger