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Hieronymus († 420) - Briefe
II.b. Aszetische Briefe: Mahnbriefe
117. An Mutter und Tochter in Gallien

11.

Aber auch an Dich, die Mutter, muß ich mich wenden, die Du schon mit Rücksicht auf Dein Alter keine kränkenden Worte zu fürchten brauchst. Nimm an Deiner Tochter keine sündhafte Rache! Besser ist es, wenn Deine Tochter von dir lernt, wie man eine Verbindung löst, als wenn Du von ihr es absiehst, wie man sich trennt. Du hast einen Sohn, eine Tochter, einen Schwiegersohn oder, besser gesagt, den Hausgenossen Deiner Tochter. Warum suchst Du anderswo Trost und fachst so das verglimmende Feuer wieder an? Es stünde Dir eigentlich besser an, Deine Tochter der Sünde abspenstig zu machen, als für Dich nach einer Gelegenheit [S. 346] zur Sünde Umschau zu halten. Dein Sohn, der ein Mönch ist, bleibe bei Dir, und er wird ein Schutz Deiner Frömmigkeit und einer ehrbaren Witwenschaft sein. Warum suchst Du nach einem fremden Manne und noch dazu für ein Haus, das keinen Raum für Sohn und Tochter hatte? Du bist ja schon so bejahrt, daß Du von Deiner Tochter Enkel haben könntest. Lade beide zu Dir ein! Sie, die allein fortgegangen ist, möge mit ihrem Manne zurückkehren, wohlgemerkt mit einem Manne, nicht mit einem Ehegatten. Man möge mich wegen dieser Unterscheidung nicht lästern. Mir kam es nur auf die Bezeichnung des Geschlechtes an, aber keineswegs wollte ich damit eine enge zwischen beiden bestehende Verbindung andeuten. Sollte aber die Scham Deine Tochter zurückhalten, sollte sie zögern oder ihr Geburtshaus zu eng finden, dann ziehet in ihre Wohnung! Wäre sie auch noch so beschränkt, Mutter und Bruder kann sie leichter fassen als einen fremden Menschen, mit dem sie sicherlich nicht zusammen das gleiche Schlafzimmer benutzen konnte. Dann mögen zwei Frauen und zwei Männer in einem Hause sein. Wenn aber jener dritte, der Schirmvogt Deiner alten Tage, 1 nicht weichen will, sondern aufbegehrt und Lärm schlägt, so bildet zwei Gruppen, eine zu zweien und eine zu dreien. Dann wird Euer Bruder und Sohn im einen Falle die Schwester, im andern die Mutter vertreten. Die Leute laß dann von Stiefvater 2 und Schwiegersohn reden. Er aber nenne die beiden Pflegevater und Bruder!

1: γηροβοσκός
2: Ähnlich bezeichnet auch Ovid (Amores I 2, 24) Vulkan, den Geliebten der Venus, als vitricus ihres Sohnes Cupido.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger