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Hieronymus († 420) - Briefe
II.b. Aszetische Briefe: Mahnbriefe
79. An Salvina

9.

Dulde neben Dir keinen geschniegelten Verwalter, 1 keine weibischen Komödianten, keinen Teufelssänger,der mit giftigen Worten Süßholz raspelt, keinen jungen Zierbengel! Halte von Deinem Gefolge alles Theatralische, alles Weichliche fern! Halte eine Anzahl von Witwen und Jungfrauen in Deiner Umgebung, suche Trost bei Deinem Geschlechte! Aus dem Benehmen der Dienerinnen schließt man auf die Herrin. Du hast ja Deine fromme Mutter bei Dir; zur Seite steht Dir Deine Tante, die ewige Jungfräulichkeit gelobt hat. Da hast Du es nicht nötig, die Gesellschaft fremder Menschen aufzusuchen, was nur Gefahr bringen kann, wo der Umgang mit den Deinen Dir ein Schutz ist. Habe ständig die heilige Lesung zur Hand, liege fleißig dem Gebete ob, so daß alle Pfeile böser Gedanken, welche die Jugend zu verwunden pflegen, an diesem Schilde abprallen. Es ist schwer, ja geradezu unmöglich, daß jemand frei bleibt von den ersten Anfängen leidenschaftlicher Regungen, welche die Griechen treffend mit dem Ausdruck προπάθειαι bezeichnen. 2 Wir könnten sie bei wörtlicher Wiedergabe Vorleidenschaften (antepassiones) nennen. Diese ersten Anreize zum Laster locken alle Menschen. Sozusagen erst in der Mitte des Weges fällt dann unsere Entscheidung, ob wir diese Gedanken abweisen oder ob wir ihnen zustimmen. Deshalb spricht auch der Herr der Natur im Evangelium: „Vom Herzen gehen die bösen Gedanken aus, Mord, Ehebruch, Unkeuschheit, Diebstahl, falsches Zeugnis und Gotteslästerung.“ 3 Daraus ergibt sich gemäß dem Zeugnis eines anderen Buches, daß des Menschen Herz von Jugend auf mehr zum Bösen geneigt ist 4 und seine Seele zwischen den Werken des Fleisches und des Geistes, die [S. 328] der Apostel Paulus aufzählt, 5 hin und her schwankt, bald nach diesem, bald nach jenem greifend.

„Keiner der Irdischen wird von Fehlern frei je geboren.
Bester bereits ist der, den kleinste Schuld nur belastet.“ 6

Es ist ungefähr so, „wie wenn man Male zu tadeln gedächte, verstreut am untadligen Leibe“. 7

Das gleiche sagt mit anderen Worten der Prophet: „Ich bin in Verwirrung geraten, aber ich habe nicht geredet.“ 8 Im selben Buche lesen wir: „Wenn euch der Zorn überkommt, so sündiget nicht.“ 9 Hierher paßt auch das Wort, das Archytas aus Tarent 10 an einen nachlässigen Sklaven richtete: „Ich hätte dich schon zu Tode geprügelt, wenn ich nicht im Zorn gewesen wäre.“ 11 Denn in seinem Zorne tut der Mensch nicht, was vor Gott gerecht ist. 12 Was von einer Leidenschaft gilt, können wir auch auf die anderen beziehen. Wie es menschlich ist, vom Zorn versucht zu werden, aber christlich, der Versuchung nicht stattzugeben, so begehrt alles Fleisch nach dem, was fleischlich ist. 13 Durch mancherlei Lockungen zieht es die Seele hin zu todbringender Lust. Aber unsere Aufgabe ist es, das Feuer der Lust in einer noch größeren Liebe zu Christus zu ersticken und das geile Lasttier durch den Zügel des Hungers zu bändigen. Dann wird es nach Nahrung gelüsten und nicht nach Befriedigung seiner Sinnlichkeit. In gemessenem und ruhigem Schritt wird es dann seinen Reiter, den Heiligen Geist, tragen.

1: Martial, Epigr. V 61.
2: Die motus primo primi der Moralisten.
3: Matth. 15, 19.
4: Gen. 8, 21.
5: Gal. 5, 19 ff.
6: Horaz, Sat. I 3, 68 f.
7: Ebd. I 6, 67.
8: Ps. 76, 5.
9: Ebd. 4, 5.
10: Archytas von Tarent (1. Hälfte des 4. Jahrh. v. Chr.), ein Freund Platons, war gleichmäßig berühmt als Philosoph (Pythagoräer), Mathematiker, Staatsmann und Feldherr.
11: Cicero, De republ. I 38, 59.
12: Jak. 1, 20.
13: Gal. 5, 17.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger