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Hieronymus († 420) - Briefe
II.b. Aszetische Briefe: Mahnbriefe
79. An Salvina

5.

Almosen spenden ist gewiß etwas Großes; sagt doch die Schritt: „Wie Wasser das Feuer löscht, so tilgt das Almosen die Sünden.“ 1 Aber ich habe nicht bloß des Nebridius Freigebigkeit rühmend hervorzuheben, sondern ich will auch seiner übrigen Tugenden gedenken, deren jede einzelne sich nur bei wenigen Menschen vorzufinden pflegt. Wer hat den Feuerofen des Königs von Babylon je betreten, ohne sich zu verbrennen? 2 Wo ist der Jüngling, dessen Mantel die ägyptische Herrin nicht [S. 320] festhielt? 3 Wo ist die Frau eines Verschnittenen, die, von der Lust erfaßt, keine Kinder zur Welt brachte? 4 Welcher Mensch möchte, ohne von Furcht ergriffen zu werden, des Apostels Klage vernehmen: „Ich fühle ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das dem Gesetze meines Geistes widerspricht, das mich gefangen hält unter dem Gesetze der Sünde, das in meinen Gliedern lebt?“ 5 Es ist schon etwas ganz Außergewöhnliches, was ich zu berichten habe. Aufgewachsen im Palaste, Spielgenosse und Mitschüler der kaiserlichen Prinzen, 6 an einen Tisch gewöhnt, für den der ganze Erdkreis sorgte, dem Land und Meer zu Diensten waren, umgeben von allem Überfluß, jung und in der Vollblüte des Lebens stehend, war er von solcher Züchtigkeit, daß er selbst die Jungfrauen an Schamgefühl überragte, so daß er auch nicht einmal zu dem leisesten dunklen Gerücht Veranlassung gab. Wenn er auch der Verwandte, Gefährte und Vetter kaiserlicher Purpurträger war, wenn er mit den beiden Prinzen die gleiche Ausbildung erhielt — Fremde pflegen sich durch gemeinschaftlichen Unterricht nahezukommen —, so fiel es ihm nie ein, sich stolz zu benehmen und auf andere geringschätzig herabzublicken. Vielmehr war er gegen alle liebenswürdig. Die Prinzen liebte er wie seine Brüder und ehrte sie wie seine Herren. Immer ließ er durchblicken, daß sein Wohl von dem ihrigen abhängig sei. Ihre Diener und das zahlreiche Palastpersonal, wie es das Ansehen des kaiserlichen Hofes erheischt, hatte er durch seine Liebenswürdigkeit so an sich gefesselt, daß sie meinen mochten, ihm im Range gleichzustehen, wenn sie auch an Verdiensten nicht an ihn heranreichten. Es ist sehr [S. 321] schwer, durch Tugendhaftigkeit sich über eine glänzende Stellung hinauszuheben und sich die Liebe derer zu sichern, vor denen man den Vorrang hat. Wer kann mir eine Witwe nennen, die seine Hilfe nicht erfahren hätte? Welche Waise hätte nicht an ihm einen Vater gefunden? Die Bischöfe des ganzen Orients trugen ihm die Bitten der Armen und die Wünsche der Bedrängten vor. Wenn er sich etwas vom Kaiser erbat, so drehte es sich regelmäßig um Almosen für die Armen, um die Freilassung von Gefangenen, um Barmherzigkeit für die Betrübten. Deshalb stand ihm auch das Kaiserpaar gern zu Diensten, weil es wußte, daß nicht einer, sondern viele davon ihren Vorteil hatten.

1: Eccli. 3, 33.
2: Dan. 3, 22.
3: Gen. 39, 12.
4: Der Verschnittene ist Putiphar, der Gen. 37, 36 und 39, 1 als Eunuch bezeichnet wird. Die Väterexegese übersieht wiederholt, daß der Begriff im Lauf der Zeit verblaßte und soviel bedeutete wie Hofbeamter.
5: Röm. 7, 23.
6: Honorius und Arkadius, des Theodosius Söhne.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger