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Hieronymus († 420) - Briefe
II.b. Aszetische Briefe: Mahnbriefe
79. An Salvina

2.

Mancher möchte mit einem Hohen Liede auf Nebridius beginnen. Er hatte die Schwester der Kaiserin zur Mutter und wurde unter der Obhut seiner Tante erzogen. Dem in allen Kriegen siegreichen Kaiser war er so ans Herz gewachsen, daß dieser ihm eine Gattin aus den vornehmsten Frauen aussuchte, die ihm gleichsam als Geisel die Treue Afrikas sicherte, das durch Bürgerkriege zerrissen war. 1 Ich freilich hätte an Nebridius zuerst hervorzuheben, daß er, gleich als ob er seinen frühen Tod vorausgeahnt hätte, im Glanze des höfischen Lebens und betraut mit den höchsten Ehrenstellen so lebte, als ob er bald vor Christus erscheinen sollte. Die heilige Geschichte erzählt, daß Cornelius, der Centurio der italischen Kohorte, Gott so wohlgefällig war, daß er einen Engel zu ihm schickte, um ihm zu offenbaren, wie die geheimnisvolle Vision, die Petrus aus der Enge der Beschneidung in die weite Welt der Unbeschnittenen führte, sein Verdienst sei. 2 Durch die Taufe, die er als erster Heide von Petrus empfing, hat er den Heiden die Pforte zum Heile eröffnet. Die Schrift sagt von ihm: „Es war ein Mann in Caesarea mit Namen Cornelius, [S. 316] der Centurio der Kohorte, welche die italische heißt. Er war fromm und gottesfürchtig samt seinem Hause, gab dem Volke viele Almosen und betete ständig zu Gott.“ 3 Was von ihm berichtet wird, paßt auch auf Nebridius, so daß man nur seinen Namen in diesen Bericht einzusetzen braucht. Er war so fromm und so sehr der Keuschheit zugetan, daß er jungfräulich in den Stand der Ehe trat. Mit seinem ganzen Hause war er so gottesfürchtig, daß er uneingedenk seines hohen Standes nur mit Mönchen und Priestern verkehrte. An das Volk teilte er solch reichliche Almosen aus, daß ganze Scharen von Armen und Kranken seine Türen belagerten. Ständig lag er dem Gebete mit so großem Eifer ob, daß ihm das beste Los zuteil wurde. Er wurde dahingerafft, damit Bosheit nicht seinen Sinn ändere; denn seine Seele war Gott angenehm. 4 Deshalb kann auch ich auf ihn ohne Bedenken das Wort des Apostels anwenden: „In Wahrheit habe ich erkannt, daß bei Gott kein Ansehen der Person gilt, sondern in jedem Berufe ist ihm der, welcher Gott fürchtet und die Gerechtigkeit übt, angenehm.“ 5 Ihm, dem Soldaten, wurden der Feldherrnmantel, das Wehrgehenk, der ganze Troß seiner militärischen Begleitung nicht zum Verhängnis, weil er unter dem weltlichen Gewande einem anderen diente, wie ja auch umgekehrt der abgetragene Mantel, die dunkle Tunika, das ungepflegte Äußere und eine erheuchelte Armut wertlos sind, wenn die Werke im Widerspruch stehen zu dem erhabenen Namen, auf den man Anspruch erhebt. 6 Im Evangelium legt der Herr Zeugnis ab von einem anderen Centurio, wo er spricht: „Solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden.“ 7 Doch ich will noch weiter zurückgehen. Wurde nicht Joseph, der in der Armut wie im Reichtum in der Tugend vorbildlich war, der als Knecht und als Herr die Freiheit [S. 317] des Geistes lehrte, nachdem ihn Pharao, der allein über ihm stand, mit den Zeichen der königlichen Würde geschmückt hatte, von Gott so sehr geliebt, daß er ihn als einzigen unter den Patriarchen zum Vater zweier Stämme machte? 8 Daniel und die drei Jünglinge standen in Babylon an der Spitze der Verwaltung und gehörten zu den höchsten Beamten des Staates, doch so, daß sie rein äußerlich betrachtet dem König zur Verfügung standen, während sie mit dem Herzen Gott dienten. 9 Mardochäus und Esther trugen Purpur, Seide und Edelsteine, aber in Demut überwanden sie den Stolz und offenbarten solche Tugend, daß sie, die Gefangenen, über ihre Besieger herrschten. 10

1: Vgl. S. 311.
2: Apg. 10, 3 ff.
3: Apg. 10, 1 f.
4: Weish. 4, 11. 14.
5: Apg. 10, 34 f.
6: „Nicht das Kleid macht den Mönch.“
7: Matth. 8,10; Luk. 7, 9.
8: Gen, 39—41; 48, 10 ff.
9: Dan. 2, 49.
10: Esth. 2, 17—9, 32.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger