Titel newsletter aktuell suche Titel werke start

Diese Datenbank wird nicht mehr weiter ergänzt. Bitte verwende Sie die neue Seite hier: https://bkv.unifr.ch

Hieronymus († 420) - Briefe
II.b. Aszetische Briefe: Mahnbriefe
79. An Salvina

10.

Was sollen meine Ausführungen? Du sollst wissen, daß Du ein Mensch bist, den menschlichen Leidenschalten [S. 329] unterworfen, falls Du nicht auf Deiner Hut bist. Wir alle sind aus dem gleichen Lehm gebildet, wir haben alle denselben Ursprung. Unter dem seidenen Kleide giert dieselbe böse Lust wie unter den Lumpen. Sie macht nicht halt vor dem Purpur der Könige und auch nicht vor dem Schmutze der Bettler. Es ist viel besser, Du leidest am Magen als an der Seele, Du herrschest über den Leib, als daß Du ihm dienstbar wirst; es ist besser, daß Dein Schritt ins Wanken gerät als Deine Keuschheit. Schmeicheln wir uns nur nicht mit dem Heilsmittel der Buße, diesem Rettungsanker der Unglücklichen. Vor der Wunde muß man sich hüten, die nachher nur unter Schmerzen zu heilen ist. Mit unversehrtem Schiff und unbeschädigter Ladung in den Hafen des Heils einzulaufen, ist doch ganz etwas anderes, als sich an ein Brett zu klammern, das nackte Leben zu retten und von dem Hin und Her der Wogen an die scharfen Riffe geworfen zu werden. Eine Witwe sollte nichts wissen wollen von einer zweiten Ehe, die mit Rücksicht auf menschliche Schwäche erlaubt ist. Auch das Wort des Apostels: „Besser ist es zu heiraten als zu brennen“ 1 sollte für sie keine Bedeutung haben. Weg mit dem Schlimmeren, dem Brennen; dann wird auch die Ehe 2 an sich nichts Gutes mehr sein. Damit stelle ich mich noch lange nicht auf den Boden der Ketzer. 3 Ich weiß, daß die Ehe ehrbar und das Ehebett ohne Makel ist. 4 Adam hatte auch nach seiner Vertreibung aus dem Paradiese nur eine Frau. Erst Lamech, der verfluchte Blutmensch, der Abkömmling eines Kain, hat die eine Rippe in zwei geteilt. 5 Aber bald hat die Strafe der Sintflut das aus der Zweiweiberei hervorgegangene [S. 330] Geschlecht vernichtet. Darum sieht sich auch der Apostel aus Furcht vor der Unkeuschheit gezwungen, nachsichtig zu sein und an Timotheus zu schreiben: „Ich will, daß die jungen Witwen heiraten, Kinder gebären, Hausmütter seien und dem Gegner keinen Anlaß zur üblen Nachrede geben.“ 6 Er begründet sofort seine Nachsicht, wenn er schreibt: „Denn bereits haben einige sich abgewandt dem Satan nach.“ 7 Also ist es klar, daß er mit diesen Worten den am Boden Liegenden die Hand reicht, aber den Stehenden keine Krone anbietet. Was von der zweiten Ehe zu halten ist, die nur den Vorzug vor den Häusern des Lasters hat, besagen die Worte: „Weil einige sich abgewandt haben dem Satan nach.“ 8 Deshalb soll die junge Witwe, die sich nicht enthalten kann oder enthalten will, sich lieber für einen Mann entscheiden als für den Teufel.

1: 1 Kor. 7, 9.
2: Hier ist die zweite Ehe gemeint.
3: Die Montanisten, besonders Tertullian, dessen Einfluß sich Hieronymus nicht ganz entziehen konnte, verwarfen die zweite Ehe. Die Ehe an sich wurde von den Manichäern verworfen.
4: Hebr. 13, 4.
5: Gen. 4, 19. 23.
6: 1 Tim. 5, 14.
7: Ebd. 5, 15.
8: Ebd.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu den Briefen des Hieronymus
Verzeichnisse

Navigation
I. Briefe familiären ...
II.a. Aszetische Briefe: ...
II.b. Aszetische Briefe: ...
. 14. An den Mönch Heli...
. 46. Paula und Eustochium ...
. 79. An Salvina
. . [Vorwort]
. . 1.
. . 2.
. . 3.
. . 4.
. . 5.
. . 6.
. . 7.
. . 8.
. . 9.
. . 10.
. . 11.
. 117. An Mutter und ...
. 122. An Rusticus über ...
. 145. An Exsuperantius ...
. 147. An den Diakon ...
II.c. Aszetische Briefe. ...
II.d. Aszetische Briefe: ...
III.a. Polemisch-apolo...
III.b. Polemisch-apolo...
III.c. Polemisch-apolo...
IV.a. Briefe wissensch...
IV.b. Briefe wissensch...
V. Briefe kirchenrecht...
VI. Briefe an Theophilus ...
VII. Briefe an Augustinus ...

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger