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Hieronymus († 420) - Briefe
II.b. Aszetische Briefe: Mahnbriefe
46. Paula und Eustochium an Marcella

6.

Jetzt kommst Du natürlich mit einem anderen Einwand. Du wirst fragen: „Weshalb lesen wir in der Apokalypse des heiligen Johannes: Und es wird sie — ohne [S. 301] Zweifel die Propheten — töten das Tier, das aus dem Abgrunde heraufsteigt. Und ihre Leichname werden liegen in den Straßen der großen Stadt, die geistigerweise Sodoma und Ägypten genannt wird, wo auch ihr Herr gekreuzigt ward?“ 1 Du sagst: „Die große Stadt, in der der Herr gekreuzigt ward, wird geistigerweise Sodoma und Ägypten genannt. 2 Also ist Jerusalem dieses Sodoma und Ägypten, in dem der Herr gekreuzigt wurde.“ Zuerst solltest Du wissen, daß sich in der ganzen Hl. Schrift kein Widerspruch finden kann. Erst recht kann ein einzelnes Buch sich nicht widersprechen, und noch weniger kann dies der Fall sein bei einer Stelle desselben Buches. In der Apokalypse, der Du Deinen Einwurf entnommen hast, lesen wir etwa zehn Verse vorher: „Stehe auf und miß den Tempel Gottes, den Altar und die in ihm anbeten! Den Vorhof aber, der außerhalb des Tempels liegt, wirf hinaus und miß ihn nicht; denn er ist den Heiden ausgeliefert. Diese werden die Heilige Stadt zertreten während 42 Monaten.“ 3 Wenn nun Johannes seine Apokalypse lange nach dem Leiden des Herrn geschrieben hat und Jerusalem in diesem Buche die Heilige Stadt nennt, wie kann es dann andererseits geistigerweise als Sodoma und Ägypten bezeichnet werden? Du kannst Dich nicht etwa rasch über diese Frage hinwegsetzen mit dem Bemerken, daß das himmlische, das zukünftige Jerusalem heilig genannt wird, 4 während sich die Worte Sodoma und Ägypten auf die zugrunde gegangene Stadt beziehen. Denn vom zukünftigen Jerusalem gilt das Wort, daß das Ungeheuer, welches aus dem Abgrunde emporsteigt, gegen die zwei Propheten Krieg führt, sie besiegt und tötet, so daß ihre Leichen in den Straßen der großen Stadt liegenbleiben. 5 Über diese Stadt wird am Ende des gleichen Buches geschrieben: „Die Stadt ist ins Geviert [S. 302] gebaut; ihre Länge und Breite ist so groß wie ihre Höhe. Und er maß die Stadt mit dem Meßstabe auf zwölftausend Stadien. Ihre Länge, Breite und Höhe sind sich gleich. Und er maß ihre Mauern, 144 Ellen nach Menschenmaß, nach dem der Engel sich richtete. Das Bauwerk ihrer Mauer war aus Jaspis, die Stadt selbst aber war aus reinem Golde“ 6 usw. Wo es um ein Quadrat geht, kann man eigentlich nicht von Länge und Breite sprechen. Welches ist denn der Maßstab, so daß Länge und Breite der Höhe gleichkommen? Wo ist die Stadt, deren Mauern aus Jaspis errichtet sind, die selbst aus Gold erbaut ist, deren Grundmauern und Straßen aus Edelsteinen und deren zwölf leuchtende Tore aus Perlen gefertigt sind? 7

1: Offenb. 11, 7 f.
2: Ebd. 11, 8.
3: Ebd. 11, 1 f.
4: Hebr. 12, 22.
5: Offenb. 11, 8.
6: Offenb. 21, 16—18.
7: Ebd. 21, 16—21.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger