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Hieronymus († 420) - Briefe
II.b. Aszetische Briefe: Mahnbriefe
46. Paula und Eustochium an Marcella

3.

Im stillen magst Du uns wohl tadeln, daß wir uns nicht an die Reihenfolge der biblischen Bücher halten, sondern im Übereifer wahllos sind, sprunghaft das, was uns gerade in den Sinn kommt, bald aus diesem, bald aus jenem Buche anführen. Aber wir haben ja schon in den ersten Zeilen darauf aufmerksam gemacht, daß die Liebe keine Ordnung und die Ungeduld keine Schranke kennt. Deshalb lesen wir auch im Hohenliede den Befehl: „Ordnet in mir die Liebe“ 1, um zu zeigen, daß es sich hierbei um eine schwer auszuführende Sache handelt. Und darum wiederhole ich: nicht aus Unwissenheit, sondern aus Liebe haben wir gefehlt. Aber es wird mit unserem Mangel an Ordnung noch schlimmer, und wir müssen noch weiter auf die alte Geschichte zurückgreifen. Man erzählt, daß in dieser Stadt, ja an dieser Stelle Adam gewohnt und den Tod gefunden hat. 2 Deshalb heißt auch der Ort, an dem unser Herr in den Kreuzestod ging, Schädelstätte. 3 Dort wurde der Schädel des alten Menschen begraben, damit der zweite Adam und das vom Kreuze Christi herabträufelnde Blut die Sünden des ersten Adam, unseres gefallenen Stammvaters, abwaschen möge. Es sollte sich das Wort des Apostels erfüllen: „Wache auf, der du schläfst, und erhebe [S. 298] dich von den Toten, und Christus wird dich erleuchten.“ 4 Es wäre zu weitläufig, alle Propheten und alle heiligen Männer aufzuzählen, welche diese Stadt ausgeschickt hat. Das ganze Geheimnis unserer Erlösung ist aufs engste mit dieser Provinz und seiner Hauptstadt verknüpft. In drei Namen deutet sie das Geheimnis der Dreifaltigkeit an; denn sie wird Jebus, Salem und Jerusalem genannt. Der erste Name bedeutet die Zertretene, der zweite Friede, der dritte Gesicht des Friedens. 5 Denn wir kommen nur allmählich ans Ziel. Erst nachdem wir zertreten worden sind, werden wir uns wieder aufrichten, um den Frieden zu schauen. Aus diesem Frieden ist Salomon, 6 d.h. der Friedfertige, geboren, und seine Stätte ist bereitet worden im Frieden. 7 Durch die Etymologie des Namens dieser Stadt wurde er zum Vorbild Christi, und als solches erhielt er die Namen „Herr der Herren“ und „König der Könige“. 8 Was sollen wir von David und seiner gesamten Nachkommenschaft berichten, welche in dieser Stadt herrschte? So sehr sich Judäa über die anderen Provinzen erhebt, ebenso ragt diese Stadt an Bedeutung über ganz Judäa empor. Um es kurz zu sagen, der Ruhm der ganzen Provinz kommt der Hauptstadt zu; was aber an den Gliedern zu loben ist, das kommt dem ganzen Körper zugute.

1: Hohel. 2, 4 (LXX).
2: Die gleiche Legende erwähnt Hieronymus auch im Kommentar zum Epheserbrief (zu 5, 14) s. M PL XXVI 559. Ambrosius führt sie auf die Hebräer zurück; vgl. in Lc 23, 33 (CSEL XXXII, 498 [Schenkl]). Vgl. über diese Legende Dict. de théol. catholique I 381 ff.
3: Matth. 27, 33; Mark. 15, 22; Luk. 23, 33; Joh. 19, 17.
4: Eph. 5, 14.
5: Die drei Namen werden abgeleitet von בּדּס „zertreten“, שָׁלֹם „Friede“ und dem gleichen Worte mit dem Zusatz רָאָה (Pu.) „gesehen werden“.
6: Typus Christi.
7: Ps. 75, 3.
8: 1 Tim. 6, 15.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger