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Hieronymus († 420) - Briefe
II.b. Aszetische Briefe: Mahnbriefe
46. Paula und Eustochium an Marcella

12.

Lies die Offenbarung des heiligen Johannes und betrachte, was dort geweissagt ist von dem in Purpur [S. 308] gekleideten Weibe, von der Gotteslästerung, die auf ihre Stirn geschrieben ist, von den sieben Bergen, von den vielen Wassern und über Babylons Untergang. 1 Es spricht der Herr: „Ziehe fort von da, mein Volk, habe keinen Teil an ihren Sünden, damit ihr nicht verstrickt werdet in ihre Strafen.“ 2 Wende dann um bis zum Propheten Jeremias und beachte, was er schreibt: „Fliehet inmitten Babylons, rette ein jeder sein Leben; denn es fällt, es fällt das mächtige Babylon und wird zur Wohnstätte der Dämonen und zum Gefängnis aller unreinen Geister.“ 3 Gewiß ist dort die heilige Kirche, dort sind die Siegesstätten der Apostelfürsten und Märtyrer, dort ist das wahre Bekenntnis Christi und der von den Aposteln gepriesene Glaube. 4 Von Tag zu Tag steigt aus den Trümmern des Heidentums der christliche Name immer sieghafter empor. Aber der Ehrgeiz, die Macht, die Größe der Stadt, das Sehen und Gesehenwerden, das Besuchemachen und Besucheempfangen, das Loben und Verleumden, das Zuhören und Mitreden, das gewaltige Menschengetriebe, das man oft gegen seinen Willen über sich ergehen, lassen muß, passen nicht zum monastischen Leben und zur klösterlichen Ruhe. Wenn wir die, welche zu uns kommen, empfangen, dann leidet darunter das Stillschweigen; empfangen wir sie nicht, so erhebt man gegen uns den Vorwurf des Stolzes. Wenn wir ab und zu die Besuche erwidern, so müssen wir unsere Schritte hinaus nach stolzen Palästen lenken und treten ein durch vergoldete Türen, während die Dienstboten über uns ihre Glossen machen. In der kleinen Stadt Christi aber, da herrscht, wie wir bereits hervorhoben, ländliche Einfachheit Abgesehen vom Gesang der Psalmen, ist überall völlige Stille. Wohin Du blickst, siehst Du den Landmann, der den Pflug lenkt und dabei sein Alleluja singt. Der Schnitter, dem der [S. 309] Schweiß von der Stirne rinnt, macht sich die Arbeit leichter, indem er sie mit Psalmen begleitet. Der Winzer, der mit der Hippe die Reben beschneidet, läßt eines von den Liedern Davids erklingen. Das sind die in unserer Gegend üblichen Gesänge, das sind, wie man zu sagen pflegt, die Liebeslieder, das sind hierzulande die Flöten der Hirten und die Waffen der Kultur.

1: Offenb. 17, 4. 9. 1.
2: Ebd. 18, 4.
3: Jer. 51, 6;Offenb. 18, 2.
4: Röm. 1, 8.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger