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Hieronymus († 420) - Briefe
II.b. Aszetische Briefe: Mahnbriefe
46. Paula und Eustochium an Marcella

10.

Diese Worte wollen keineswegs leugnen, daß das Reich Gottes in uns ist, 1 oder daß es auch in anderen Gegenden heilige Männer gibt. Wir wollen damit nur betonen, daß gerade die, welche in der ganzen Welt an erster Stelle stehen, durchweg sich hier einfinden. Wir sind an diese Stätten nicht als die ersten, sondern als die letzten gekommen, um an ihnen bereits die bedeutendsten [S. 306] Leute aus allen Völkern vorzufinden. Unter den Schmuckstücken der Kirche leuchtet der Chor der Mönche und Jungfrauen wie eine Blume und ein kostbarer Edelstein. Wer immer in Gallien als Christ einen Namen hat, kommt hierher. Der Brite, der von unserem Festlande getrennt ist, verläßt, wenn er nach christlicher Vollkommenheit strebt, die abendländische Sonne und sucht die Statte auf, die er nur dem Namen nach aus den Berichten der Hl. Schrift kennt. Soll ich noch die Armenier und Perser, die Völker Indiens und Äthiopiens und außerdem das benachbarte an Mönchen so reiche Ägypten nennen, ferner Pontus, Kappadokien, Kölesyrien und Mesopotamien sowie alle die Pilgerzüge aus dem Orient? Sie kommen hierher gemäß dem Worte des Heilandes: „Wo ein Aas ist, da versammeln sich die Geier“, 2 und geben uns ein Beispiel in den verschiedensten Tugenden. Sie reden alle eine andere Sprache, aber im Glauben sind sie eins. Es gibt hier beinahe so viele Chöre von Mönchen, die ihre Psalmen singen, als es verschiedene Nationen gibt. Bei alledem — und das ist ja schließlich die erste christliche Tugend — keinerlei hoffärtige Anmaßung, keine augendienerische Abtötung. In edlem Wettstreit streben alle nach der Demut. Wer der letzte ist, wird für den ersten gehalten. Keiner sucht sich in der Kleidung hervorzutun und dadurch die bewundernden Blicke der anderen auf sich zu lenken. Ein jeder mag sich kleiden, wie er will, ohne daß ihm deshalb Lob oder Tadel zuteil wird. Auch das Fasten verschafft keinem eine Auszeichnung. Wer sich Abbruch tut in der Nahrung, wird deshalb nicht gelobt, aber auch mäßige Sättigung wird nicht verurteilt. Jeder steht oder fällt seinem Herrn. 3 Keiner urteilt über den andern, um nicht vom Herrn gerichtet zu werden. 4 Gegenseitige giftige Verleumdung, wie sie an den meisten Orten an der Tagesordnung ist, kommt hier [S. 307] überhaupt nicht vor. Schwelgerei und Sinnlichkeit haben hier keine Stätte.

1: Luk. 17, 21.
2: Matth. 24, 28.
3: Röm. 14, 4.
4: Matth. 7, 1; Luk. 6, 37.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger