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Hieronymus († 420) - Briefe
II.b. Aszetische Briefe: Mahnbriefe
14. An den Mönch Heliodor

3.

Später wird dann der Tag kommen, an dem Du als Sieger in die Heimat zurückkehrst, an dem Du als tapferer und ruhmgekrönter Held in das himmlische Jerusalem einziehst. Dann wirst Du bei Paulus das Bürgerrecht erhalten. 1 Dann wirst Du auch das gleiche Recht für Deine Eltern in derselben Stadt erbitten; aber auch für mich wirst Du Fürsprache einlegen, der ich Dich ermahnt habe, Dich selbst zu besiegen. Ich weiß recht wohl, welche Bindung Dich jetzt festhält. Ich bin keineswegs gefühllos, und mein Herz ist nicht aus Eisen. Ich bin nicht aus Kieselstein geboren, noch haben mich Hyrkanische Tiger genährt. 2 Auch ich habe alle diese Schwierigkeiten durchgemacht. Zuerst hängt sich die verwitwete Schwester mit schmeichelnden Umarmungen [S. 281] an Deinen Hals, dann kommen die Haussklaven, unter denen Du aufgewachsen bist, und fragen: „Wem sollen wir dienen, wenn du uns verlassest?“ Schließlich jammern Deine alte Kindswärterin und Dein Erzieher, der nach Deinem natürlichen Vater das meiste Anrecht auf Deine Liebe hat: „Warte noch etwas, bis wir tot sind; begrabe uns zuvor!“ Vielleicht seufzt auch noch Deine Mutter mit welker Brust und gefurchter Stirn und erinnert Dich an die Wiegenlieder, 3 die sie Dir einst gesungen. Meinetwegen mögen auch noch die Grammatiker den Chor vervollständigen und sagen: „Auf Dir als seiner Stütze ruht das ganze Haus.“ 4 Aber die Liebe zu Christus und die Furcht vor der Hölle sprengt mit Leichtigkeit alle diese Fesseln. Wohl verlangt die Schrift, daß man den Eltern gehorcht. 5 Wer sie aber mehr liebt als Christus, setzt seine Seele aufs Spiel. 6 Der Feind hält das Schwert gezückt, um mich zu durchbohren, und da soll ich an meiner Mutter Tränen denken? Soll ich die Fahne des Vaters wegen verlassen, dem ich um Christi willen nicht einmal das Begräbnis schulde, 7 das ich seinetwegen jedem anderen gewähren muß? Dem Herrn, der sich zu leiden anschickte, war der von Furcht diktierte Rat des Petrus ein Ärgernis. 8 Paulus antwortete den Brüdern, die ihn von der Reise nach Jerusalem abhalten wollten: „Warum weinet ihr, und warum beschwert ihr mein Herz? Ich bin bereit in Jerusalem um des Namens unseres Herrn Jesu Christi willen nicht nur in den Kerker, sondern selbst in den Tod zu gehen.“ 9 Den Sturmbock der Verwandtenliebe, welcher den Glauben zu erschüttern droht, muß die Mauer des Evangeliums wirkungslos machen. Die sind mir Mutter und Brüder, welche den Willen meines Vaters tun, der im Himmel ist. 10 Glauben sie wirklich an Christus, dann sollen sie mir Helfer sein, wenn ich für [S. 282] ihn in den Kampf ziehe. Glauben sie aber nicht, dann mögen die Toten ihre Toten begraben. 11

1: Phil. 3, 20 (πολίτευμα).
2: Vergil, Aen. IV 366 f.
3: Persius, Sat. 3, 18.
4: Vergil, Aen. XII 59.
5: Exod. 20, 12.
6: Matth. 10, 37; Luk. 14, 26.
7: Matth. 8, 21 f.
8: Ebd. 16, 22 f.
9: Apg. 21, 13.
10: Matth. 12, 50; Luk. 8, 21.
11: Matth. 8, 22; Luk, 9, 60.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger