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Hieronymus († 420) - Briefe
II.a. Aszetische Briefe: Über die kirchlichen Stände und ihre Aszese
130. An Demetrias

4.

Doch wohin verirre ich mich? Ich habe ja meinen Vorsatz vergessen, und während ich den jungen Vater bewundere, preise ich irdische Vorzüge. Unsere Jungfrau verdient aber gerade deshalb höchstes Lob, weil sie alle diese Dinge geringschätzt. Sie sieht in ihrer Person nicht den Adelssproß, nicht die mit Reichtum gesegnete Dame, sondern nur den einfachen Menschen. Es bedeutet eine unglaubliche Zucht des Geistes, inmitten von Edelsteinen und Seide, zwischen Scharen von Eunuchen und Dienstmädchen, zwischen Schmeicheleien und Dienstleistungen des lärmenden Gesindes, zwischen ausgesuchten Speisen, wie sie der Überfluß des vornehmen Hauses bietet, sich für anstrengendes Fasten, für rauhe Kleidung und ein Leben der Enthaltsamkeit zu entscheiden. Demetrias hatte das Wort des Herrn gelesen: „Die weichliche Kleider tragen, sind in den Häusern der Könige.“ 1 Sie begeisterte sich für die Lebensweise des Elias und Johannes des Täufers, die beide einen ledernen Gürtel trugen und ihre Lenden abtöteten. 2 Von diesem wird berichtet, daß er als Vorläufer Christi im Geist und in der Kraft des Elias kam, im Mutterschoße als Prophet auftretend, gepriesen vor dem Gerichtstage durch den Mund des Richters. 3 Sie bewunderte den Eifer Annas, der Tochter Phanuels, welche bis in ihr hohes Greisenalter durch Gebet und Fasten dem Herrn im Tempel diente. 4 Sie wünschte zum Chore der vier Jungfrauen, der Töchter des Philippus, 5 zu [S. 244] gehören und wie eine von ihnen durch ihre jungfräuliche Keuschheit die Gabe der Prophezeiung zu erlangen. Mit solchen Gedanken nährte sie ihren Geist, nur auf das eine bedacht, bei Großmutter und Mutter nicht anzustoßen. Wenn auch das Beispiel dieser Frauen ihr Anregung bot, so erschrak sie doch über deren Pläne und Absichten. Zwar stieß ihr heiliger Entschluß auf keine grundsätzliche Ablehnung. Vielmehr wagten die beiden Frauen bei der Größe des Opfers nicht, mit seiner Verwirklichung zu rechnen oder gar es zu fördern. Die junge Streiterin Christi geriet in ängstliche Besorgnis. Sie haßte ihren Schmuck und sprach mit Esther zum Herrn: „Du weißt, daß ich den Schmuck meines Hauptes“ (gemeint ist das Diadem, das sie als Königin trug) „hasse und für so unrein halte wie das Tuch einer Blutgängigen.“ 6 Einige Damen, gleich ausgezeichnet durch Tugend und Herkunft, hatte das wilde Ungestüm der Feinde von den Gestaden Galliens über Afrika nach den heiligen Stätten verschlagen. Sie sahen Demetrias machten ihre Bekanntschaft und erzählten, sie habe des Nachts, ohne daß jemand, abgesehen vielleicht von den gottgeweihten Jungfrauen, welche in der Umgebung ihrer Mutter und Großmutter waren, etwas davon wußte, niemals ein Leintuch oder ein weichliches Federbett benutzt. Eine auf dem bloßen Boden ausgebreitete Haardecke diente ihr als Lager, während ständig Tränen ihr Antlitz benetzten. Im Geiste umfaßte sie die Knie des Herrn, er möge doch ihren Entschluß entgegennehmen, ihren Wunsch erfüllen und das Herz der Großmutter und der Mutter erweichen.

1: Matth. 11, 8.
2: 4 Kön. 1, 8; Matth. 3, 4.
3: Luk. 1, 17. 41; Matth. 11, 11.
4: Luk. 2, 36 f.
5: Apg. 21, 9.
6: Esth. 14, 16.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger