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Hieronymus († 420) - Briefe
II.a. Aszetische Briefe: Über die kirchlichen Stände und ihre Aszese
130. An Demetrias

17.

Viele erörtern die Frage, ob ein Einsiedlerleben oder das Gemeinschaftsleben den Vorzug verdient. In der Regel zieht man das erstere vor. Immerhin besteht bei Männern die Gefahr, daß sie, losgelöst vom Verkehr mit anderen Menschen, schmutzigen und gottlosen Gedanken Raum geben, daß sie voller Hochmut und Selbsterhebung alle anderen geringschätzen und ihre Zunge schärfen, um Geistliche oder andere Mönche herabzusetzen. Auf sie trifft voll und ganz das Wort zu: „Der Menschen Zähne sind Waffen und Pfeile, und ihre Zunge ist ein geschärftes Schwert.“ 1 Um wie viel gefahrvoller dürfte aber das Einsiedlerleben für Frauen sein mit ihrem unbeständigen und veränderlichen Wesen, das, sich selbst überlassen, nur allzu schnell auf Schlechtigkeit verfällt? Bei beiden Geschlechtern habe ich die Beobachtung gemacht, daß mitunter die übertriebene Abtötung zu Erkrankungen des Gehirns führt. [S. 270] Das habe ich besonders bei solchen erlebt, die in kalten, feuchten, dazu noch winzigen Zellen lebten, so daß sie nicht wußten, womit sie sich beschäftigen, wohin sie sich wenden sollten, worüber sie zu sprechen und was sie zu tun hätten. Wenn Leute, die in der profanen Wissenschaft nicht zu Hause sind, etwas aus den Schriften gelehrter Männer lesen, dann nehmen sie bestenfalls einen Schwall von Worten in sich auf, ohne Verständnis für den Inhalt dieser Schriften. Auf sie paßt das alte Wort: „Reden können sie nicht, aber auch nicht schweigen.“ 2 Sie lehren die Hl. Schrift, die sie nicht begreifen, und kommen sich, wenn sie andere überredet haben, wie große Gelehrte vor und machen sich zu Lehrern der Unerfahrenen, ehe sie selbst zu Füßen weiser Männer saßen. Es ist deshalb gut, auf Männer zu hören, welche die Erfahrung gereift hat, denen zu gehorchen, die durchgebildet sind, und sich von anderen nach den Regeln der Hl. Schrift den Lebensweg weisen zu lassen. Damit macht man sich auch vom schlechtesten Lehrmeister, der eigenen Vermessenheit, frei. An solche Frauen denkt der Apostel, wo er schreibt: „Sie werden von jedem Winde der Lehre hin und her geworfen. Sie lernen ständig und gelangen nie zur Erkenntnis der Wahrheit.“ 3

1: Ps. 56, 5.
2: Quintilian, Instit. orat. VIII 5, 18.
3: Eph. 4, 14; 2 Tim. 3, 7. Der Abschnitt 17 scheint auf Rufin gemünzt zu sein.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger