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Hieronymus († 420) - Briefe
II.a. Aszetische Briefe: Über die kirchlichen Stände und ihre Aszese
130. An Demetrias

14.

Ich halte es für überflüssig, Dich vor der Habgier zu warnen. Liegt es ja doch in Eurem Geschlechte, Reichtum zu besitzen und ihn trotzdem zu verachten. Auch lehrt der Apostel, daß die Habgier ein Götzendienst sei. 1 Und auf die Frage des Jünglings: „Guter Meister, was soll ich tun, um des ewigen Lebens teilhaftig zu werden?“ antwortete der Herr selbst: „Willst Du vollkommen sein, so gehe hin, verkaufe alles, was du hast, und verteile den Erlös unter die Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben. Dann komme und folge mir nach!“ 2 Alles zu verkaufen und unter die Armen zu verteilen, ist der Höhepunkt des apostolischen und vollkommenen Lebens. Wer dies tut, wird leicht und unbehindert mit Christus zu den himmlischen Regionen emporfliegen. Unsere oder besser Deine Aufgabe ist es, das Dir anvertraute Vermögen richtig zu verwalten, obwohl in dieser Frage jedem Alter und jeder Person die freie Entscheidung verbleibt. Heißt es doch: „Wenn du vollkommen sein willst.“ Ich zwinge und befehle nicht, sondern ich halte Dir nur die Palme hin und zeige Dir den Siegespreis. An Dir ist es zu wählen, wenn Du aus Kampf und Streit mit der Siegerkrone geschmückt hervorgehen willst. 3 Beachte, wie weise die Weisheit spricht: „Verkaufe, was du besitzest.“ 4 Wem gilt dieser Befehl? Doch offensichtlich dem, an den das Wort ergeht: „Willst du vollkommen sein.“ 5 Verkaufe nicht einen Teil, sondern Deinen gesamten Besitzt Wenn Du ihn verkauft hast, was dann? „Verteile ihn unter die Armen!“ 6 Nicht die Reichen, nicht die Verwandten sollen ihn erhalten. Er soll nicht dem Luxus dienen, sondern der Not aufhelfen. Mag es ein Priester, ein Verwandter, ein Schwager sein, siehe nicht darauf, sondern prüfe, ob es sich um einen Dürftigen handelt! Die sollen Dich loben, deren Magen knurrt, aber nicht jene, die sich bei üppigem Mahle übergeben. Die Apostelgeschichte [S. 264] erzählt aus den Tagen der Urkirche, als das Blut unseres Herrn noch warm pulsierte und noch der erste Eifer die Gläubigen beseelte, daß alle ihren Besitz veräußerten und den Erlös zu Füßen der Apostel legten, um zu zeigen, daß das Geld zu verachten sei. Jeder einzelne erhielt davon nach Bedarf. 7 Ananias und Saphira waren zaghafte und doppelzüngige Spender. Sie wurden verurteilt, weil sie nach ihrem Gelöbnis die gespendete Gabe als ihr Eigentum, nicht aber als den Besitz dessen betrachteten, dem sie sie nun einmal gelobt hatten. Sie hatten für sich einen Teil des bereits fremden Gutes zurückgelegt. Sie ängstigten sich vor dem Hunger, den der wahre Glaube nicht fürchtet, und dafür traf sie augenblickliche Strafe, die kein grausames Urteil, wohl aber ein warnendes Beispiel sein sollte. 8 Keineswegs ruft der Apostel Petrus den Tod auf sie herab, wie der törichte und verleumderische Philosoph 9 sagt. Vielmehr kündet er mit prophetischem Blick das göttliche Urteil an, damit die Strafe, die zwei Menschen traf, vielen zur warnenden Lehre diene. Seitdem Du ewige Jungfräulichkeit gelobt hast, ist Dein Besitz nicht mehr Dein Besitz, oder anders betrachtet, ist er erst recht Dein Besitz geworden, nachdem Du ihn Christus geschenkt hast. Freilich, solange Großmutter und Mutter noch leben, ist er nach ihrer Entscheidung zu verwenden. Wenn sie aber gestorben sind und den Schlaf der Gerechten schlafen, — weiß ich doch, daß sie vor Dir zu sterben wünschen —, dann sollst Du in reiferen Jahren, wenn der Wille ernster und das Urteil sicherer ist, tun, was Dir gut scheint, richtiger, was der Herr befiehlt. Denn Du weißt ja, daß Du nur das wirklich besitzest, was Du zu guten Werken verwandt hast. Laß andere Kirchen bauen, die Wände mit Marmor bekleiden, massige Säulen herbeischleppen, deren Kapitale, die nichts von ihrem kostbaren [S. 265] Schmuck wissen, vergolden! Laß sie kostbare Tore aus Gold und Elfenbein spenden und von Gold strotzende Altäre mit Edelsteinen schmücken! Ich will dies gewiß nicht tadeln und mißbilligen. Jeder mag nach seinem Ermessen weitgehend Gutes tun. 10 Dies ist immerhin noch besser, als auf den aufgehäuften Schätzen zu ruhen. Aber Du sollst Dir ein anderes Ziel setzen. 11 Kleide Christus in den Armen, besuche ihn in den Kranken, speise ihn in den Hungernden, nimm ihn auf in den Obdachlosen, besonders wenn es sich um Glaubensgenossen handelt! 12 Unterstütze die Klöster der Jungfrauen! Nimm Dich der Diener Gottes und der Armen im Geiste an, 13 die Tag und Nacht Deinem Herrn dienen, die auf Erden es den Engeln gleichtun wollen, die ihre Sprache nur zum Lobe Gottes gebrauchen, die sich reich vorkommen, wenn sie Nahrung und Kleidung haben, 14 und auf alles andere verzichten, vorausgesetzt, daß sie ihrem Berufe gemäß leben. Fordern sie mehr, dann erweisen sie sich damit auch dessen, was sie notwendig brauchen, als unwürdig. Das sind meine Worte, die ich an eine reiche und vornehme Jungfrau zu richten habe.

1: Eph. 5, 5.
2: Matth. 19, 16. 21.
3: 2 Tim. 2, 5.
4: Matth. 19, 21.
5: Ebd.
6: Ebd.
7: Apg. 4, 34 f.
8: Ebd. 5, 1 ff.
9: Porphyrius in seiner um 270 entstandenen Streitschrift περὶ τῆς ἐκ λογίων φιλοσοφίας κατὰ Χριστιανῶν λόγοι (15 BB.).
10: Röm. 14, 5.
11: Demetrias, die später wieder nach Rom zurückkehrte, starb unter dem Pontifikate Leos I. (440—461). Vor ihrem Tode erbaute sie auf einem ihr gehörigen Grundstück an der Via latina eine dem hl. Stephanus geweihte Basilika (vgl. Duchesne, Liber pontificalis I 238, 531; Grisar, Geschichte Roms und der Päpste im Mittelalter. Freiburg 1901, 331).
12: Matth. 25, 35 ff.; Gal. 6, 10.
13: Matth. 5, 3.
14: 1 Tim. 6, 8.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger