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Hieronymus († 420) - Briefe
II.a. Aszetische Briefe: Über die kirchlichen Stände und ihre Aszese
125. An den Mönch Rusticus

19.

Schließe Dich solchen Leuten nicht an und meide den Verkehr mit ihnen! Laß Dein Herz nicht zu schlimmen Reden hinneigen, 1 damit nicht auf Dich die Worte zutreffen: „Du ließest dich nieder, um gegen deinen Bruder zu reden, und gegen den Sohn deiner Mutter brachtest du Schlimmes vor.“ 2 Oder: „Die Zähne der Menschenkinder sind Waffen und Pfeile.“ 3 „Seine Worte sind milder als Öl, und doch sind sie Pfeile.“ 4 Noch deutlicher äußert sich der Prediger in den Worten: „Wer seinen Bruder heimlich verleumdet, beißt wie die Schlange im Verborgenen.“ 5 Du wirst einwenden: „Ich verleumde nicht. Was kann ich schließlich dazu, wenn andere reden?“ Das sind Vorwände zur Entschuldigung unserer eigenen Sünden. 6 Christus läßt sich durch unsere Listen nicht täuschen. Nicht ich spreche, sondern der Apostel sagt: „Täuschet euch nicht. Gott läßt seiner nicht spotten.“ 7 Er blickt ins Herz, wir sehen nur das Äußere. 8 Salomon sagt im Buche der Sprüche: „Wie der Nordwind den Regen, so vertreibt ein saures Gesicht [S. 236] die verleumderische Zunge.“ 9 Nicht selten fliegt der Pfeil, wenn er auf einen harten Gegenstand aufprallt, auf den Schützen zurück und verwundet ihn. Dann erfüllt sich das Wort: „Sie wurden mir zum Bogen des Unheiles.“ 10 Oder: „Wer einen Stein in die Höhe wirft, auf dessen Haupt fällt er zurück.“ 11 So ergeht es auch dem Verleumder, wenn er das abweisende Gesicht seines Zuhörers bemerkt, oder richtiger desjenigen, der ihm nicht zuhört, sondern seine Ohren verstopft, um nicht ein Blutgericht zu hören. 12 Er wird sogleich schweigen, sein Antlitz wird blaß, die Lippen stehen still, der Speichel trocknet ein. Darum warnt der bereits genannte Weise: „Mische dich nicht unter die Verleumder; denn plötzlich überkommt sie das Verderben, und wer weiß, welch schlimmes Los sie beide trifft?“, 13 nämlich den, der verleumdet, und den, der zuhört. Die Wahrheit kennt keine Winkelzüge und bedient sich nicht der Ohrenbläser. Der Apostel warnt Timotheus: „Nimm nicht vorschnell eine Anklage gegen einen Priester entgegen. Hat er sich aber vergangen, so tadle ihn vor allen, damit die übrigen sich fürchten.“ 14 Man darf nicht leicht von Leuten vorgerückten Alters etwas Böses annehmen, die ihre Vergangenheit für sich haben und ihren ehrenvollen Stand. Aber wir sind einmal Mensches und können trotz der Reife der Jahre hinabgleiten in die Fehler der Jugend. Willst Du dann den Irrenden zurechtweisen, dann tue es offen, aber beiße nicht im Verborgenen! Der Gerechte mag mich in Güte schelten und tadeln. Aber das Öl des Sünders soll mein Haupt nicht salben. 15 Wen der Herr liebt, den züchtigt er. Er züchtigt aber jeden, den er als Kind annimmt. 16 Durch den Mund des Propheten Isaias ruft der Herr: „Mein Volk, die euch glücklich nennen, verführen euch und bereiten euch Nachstellungen auf dem Wege, den eure Füße wandeln.“ 17 [S. 237] Was nützt es mir, wenn Du anderen von meinen Fehlern berichtest, wenn Du andere, ohne daß ich es weiß, mit meinen Sünden oder gar mit Deinen Verleumdungen verwundest? Wenn Du geschäftig überall damit hausieren gehst und mit jedem so sprichst, als gelte es ein ihm allein anvertrautes Geheimnis? So besserst Du mich nicht, sondern Du suchst Befriedigung in Deinem eigenen Laster. Der Herr schreibt vor, daß man den Sünder unter vier Augen oder in Gegenwart eines Zeugen zurechtweisen soll. Wenn er nicht hören will, dann erst soll man es der Kirche melden. Diejenigen aber, die in der Sünde verharren, seien in unseren Augen wie Heiden und öffentliche Sünder. 18

1: Ps. 140, 4.
2: Ebd. 49, 20.
3: Ebd. 56, 5.
4: Ebd. 54, 22.
5: Ekkle. 10, 11.
6: Ps. 140, 4.
7: Gal. 6, 7.
8: 1 Kön. 16, 7.
9: Sprichw. 25, 23.
10: Ps. 77, 57.
11: Ekkli. 27, 28.
12: Is. 33, 15.
13: Sprichw. 24, 21 f.
14: 1 Tim. 5, 19 f.
15: Ps. 140, 5.
16: Hebr. 12, 6.
17: Is. 3, 12 (nach LXX).
18: Matth. 18, 15 ff.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger