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Hieronymus († 420) - Briefe
II.a. Aszetische Briefe: Über die kirchlichen Stände und ihre Aszese
125. An den Mönch Rusticus

11.

Ich wünsche aus den oben angeführten Gründen, daß Du nicht bei Deiner Mutter wohnen bleibst. Aber auch deshalb wünsche ich es, damit Du sie nicht betrübst, wenn sie Dir etwa ausgesuchte Speisen vorsetzt, die Du dann zurückweist, oder die wie Öl im Feuer wirken, wenn Du sie annimmst. Die vielen Dienstmädchen, die Du da am Tage siehst, könnten Dich in der Nacht auf böse Gedanken bringen. Hände und Augen sollen immer mit einem Buche beschäftigt sein. Die Psalmen lerne auswendig! Bete ohne Unterlaß; wachsam sei Dein Geist und abhold allen müßigen Gedanken! Dem Leibe und der Seele gib in gleicher Weise die Richtung hin zum Herrn! Den Zorn besiege durch Geduld! Wenn Du die Weisheit der Schrift liebst, dann wirst Du die Laster des Fleisches nicht lieben. Banne von Deiner Seele alle die verschiedenen leidenschaftlichen Erregungen, die über Dich zu herrschen drohen, wenn sie in Deinem Herzen [S. 227] festen Fuß gefaßt haben. Sie könnten Dich sonst zur schlimmsten Sünde verleiten. 1 Sei nie untätig, damit Dich der Teufel ständig beschäftigt findet. Wenn die Apostel, die doch das Recht hatten, vom Evangelium zu leben, von ihrer Hände Arbeit lebten, um anderen nicht zur Last zu fallen, ja selbst jene unterstützten, von denen sie zeitlichen Lohn für die geistigen Gaben zu beanspruchen hatten, 2 warum sollst Du Dir nicht selbst herstellen, was Du zum eigenen Gebrauch nötig hast? Du könntest Binsenkörbchen flechten oder Körbe aus biegsamen Weiden anfertigen. Hacke die Erde und teile in Deinem Garten gleichmäßige Beete ab! Hast Du die verschiedenen Gemüsesamen hineingestreut oder die Pflanzen der Richtschnur nach gesetzt, dann begieße sie mit Wasser, damit man sieht, daß auch Dir die nachstehenden hübschen Verse geläufig sind:

Sieh den Bergquell, er lockt aus der Höh’ des hügligen Pfades, Der leis plätschernd im Fall küsset das glatte Gestein Und die durstenden Auen tränket mit köstlichem Naß. 3

Veredle Wildlinge durch Okulieren oder durch Propfreiser, und Du wirst bald süße Früchte als Lohn Deiner Arbeit pflücken können. Richte Bienenstöcke ein, zu denen Dich das Buch der Sprüche hinschickt, 4 und lerne von den kleinen Wesen, wie Ordnung und Zucht in den Klöstern zu wahren sind. Stricke Netze für den Fischfang! Schreibe Bücher ab, eine Beschäftigung, bei welcher die Hand für Nahrung sorgt, während sich der Geist an der Lesung sättigt. Der Müßiggänger gibt sich seinen schlechten Begierden hin. 5 Die ägyptischen Klöster halten an der Sitte fest, niemand aufzunehmen, der nicht ein Handwerk versteht, weniger wegen des Lebensunterhaltes als aus Rücksicht auf das Heil der Seele. [S. 228] Der Geist soll sich nicht in gefährlichen Gedanken verlieren und sich nicht nach dem Vorbilde des ehebrecherischen Jerusalem jedem Vorübergehenden preisgeben. 6

1: Ps. 18, 14. Unter „delictum maximum“ ist die Tatsünde im Gegensatz zur Gedankensünde zu verstehen (vgl. ep. 130, 8 ad Demetriadem et comm. in Eccle. c. 10 — M PL XXIII 1147).
2: 1 Kor. 4, 12; 9, 4 ff; 1 Thess. 2, 9.
3: Vergil, Georg. I 108 ff.
4: Sprichw. 6, 8 (nach LXX).
5: Ebd. 13, 4 (nach LXX).
6: Ezech. 16, 25.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger