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Hieronymus († 420) - Briefe
II.a. Aszetische Briefe: Über die kirchlichen Stände und ihre Aszese
123. An Geruchia über die einmalige Ehe

11.

Die Erschaffung des ersten Menschen sollte zur Ablehnung einer mehrfachen Ehe führen. Ein Adam und eine Eva, oder genauer, eine Rippe wird dem Adam genommen und daraus die Eva geschaffen. 1 Was Gott getrennt hat, bindet er durch die Ehe wieder zusammen, sagt ja die Schrift: „Sie werden zwei in einem Fleische sein“ (also nicht in zwei oder drei). „Deshalb wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Gattin binden.“ 2 Von Gattinnen keine Spur! Diese Stelle bespricht der Apostel Paulus und bezieht sie auf Christus und auf die Kirche. 3 Wie der erste Adam im Fleische, so sollte auch der zweite im Geiste 4 nur einmal [S. 202] vermählt sein. Eine Eva soll die Mutter aller Lebendigen 5 und eine Kirche die Mutter aller Christen sein. Wie der mit Fluch beladene Lamech Eva in zwei Gattinnen teilte, 6 so zerreißen die Häretiker die Kirche in mehrere Kirchen, die man richtiger nach der Apokalypse des hl. Johannes als Synagogen des Teufels 7 und nicht als christliche Versammlungsorte bezeichnet. Wir lesen im Hohen Liede: „Es sind vorhanden sechzig Königinnen, achtzig Nebenfrauen und junge Mädchen, deren Zahl keine Grenze kennt. Aber eine ist meine Taube, meine wahre Freundin, die einzige ihrer Mutter, die Auserkorene ihrer Gebärerin.“ 8 Sie ist es, an welche der gleiche Apostel Johannes seinen Brief schreibt: „Der Älteste an die auserwählte Herrin und ihre Kinder.“ 9 Auch in die Arche, die nach Petrus ein Vorbild der Kirche ist, 10 nahm Noe mit seinen Söhnen nur je eine Gattin, aber nicht deren zwei mit. 11 Sogar von den unreinen Tieren sind nur je zwei, ein Männlein und ein Weiblein, zugelassen, 12 damit es nicht einmal unter den Tieren, den Schlangen, Krokodilen und Eidechsen, zur Doppelpaarung kommt. Wenn von den reinen Tieren je sieben, 13 also eine ungerade Zahl, Aufnahme finden, so liegt auch hierin wieder eine Anerkennung der Jungfräulichkeit und der Keuschheit. Als nämlich Noe die Arche verließ, brachte er dem Herrn Opfer dar, 14 aber nicht aus der geraden, sondern aus der ungeraden Zahl. Denn die eine Gruppe war für die Nachkommenschaft und die Paarung, die andere für das Opfer bestimmt.

1: Gen. 2, 21 ff.
2: Gen. 2, 24; Eph. 5, 31. Vgl. Tertullian, De monog. 4 (BKV XXIV 482).
3: Eph. 5, 23 ff.
4: 1 Kor. 15, 45.
5: Gen. 3, 20.
6: Ebd. 4,19. Vgl. Tertullian, De exhort. cast 5 (BKV VII 334 f.).
7: Offenb. 2, 9.
8: Hohel. 6, 7 f.
9: 2 Joh. 1.
10: 1 Petr. 3, 20 f.
11: Gen. 7, 13.
12: Ebd. 7, 2. Vgl. Tertullian, De monog. 4 (BKV XXIV 483).
13: Gen. 7, 2.
14: Ebd. 8, 20.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger