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Hieronymus († 420) - Briefe
II.a. Aszetische Briefe: Über die kirchlichen Stände und ihre Aszese
58. An den Priester Paulinus

3.

Aus meinen Worten ist aber nicht zu folgern, daß ich mich selbst der Unbeständigkeit zeihe und mein Tun verurteile, gleich als ob ich vergeblich nach Abrahams Beispiel Familie und Heimat verlassen hätte. 1 Vielmehr wage ich es nicht, den allmächtigen Gott in einen engen Winkel einzuschließen und den auf ein kleines Stück Erde zu beschränken, den der Himmel nicht fassen kann. 2 Die einzelnen Gläubigen werden nicht nach den verschiedenen Örtlichkeiten gewogen, an denen sie weilen, sondern nach dem Verdienste ihres Glaubens. Die wahren Anbeter beten den Vater weder in Jerusalem noch auf dem Berge Garizim an; denn Gott ist ein Geist. Die ihn anbeten, müssen ihn im Geiste und in der Wahrheit anbeten, 3 weht ja der Geist, wo er will. 4 Dem Herrn gehört die Erde und ihre Fülle. 5 Inzwischen blieb Judäas Fell trocken, und des Himmels Tau benetzte den ganzen Erdkreis. 6 Viele kamen aus dem Abend- und Morgenlande, um im Schöße Abrahams zu ruhen. 7 Seit dieser Zeit hörte Gott auf, allein in Judäa bekannt zu sein, und sein Name ward nicht nur in Israel groß. 8 Vielmehr trugen die Apostel ihre Predigt hinaus in alle Welt und verkündeten das Wort Gottes bis an die Grenzen der Erde. 9 Zu den Jüngern sprach der Herr im Tempel: „Stehet auf und laßt uns diesen Ort verlassen“, 10 und den Juden drohte er: „Euer Haus wird euch einsam gelassen werden.“ 11 Wenn Himmel und [S. 175] Erde einst vergehen, 12 dann wird auch alles vergehen was irdisch ist. Die Stätten der Auferstehung und der Kreuzigung werden nur denen nützen, die ihr Kreuz tragen, 13 täglich mit Christus auferstehen 14 und sich einer solch erhabenen Wohnstätte würdig machen. Jene aber, die sprechen: „Der Tempel des Herrn, der Tempel des Herrn, der Tempel des Herrn“ 15 mögen das Wort des Apostels beachten: „Ihr seid der Tempel Gottes, und der Hl. Geist wohnt in euch.“ 16 Der himmlische Hof steht sowohl von Jerusalem wie von Britannien aus in gleicher Weise offen; denn das Reich Gottes ist in uns. 17 Antonius 18 und die große Menge all der Mönche aus Ägypten und Mesopotamien, aus Pontus, Kappadokien und Armenien haben nie Jerusalem gesehen, und trotzdem tut sich ihnen, die diese Stadt nicht besuchten, des Himmels Pforte auf. Obwohl der heilige Hilarion aus Palästina stammte und in Palästina lebte, 19 hat er nur an einem einzigen Tage Jerusalem besucht. Weil er so nahe wohnte, wollte er nicht den Schein erwecken, als schätze er die heiligen Stätten gering. Aber es sollte auch nicht so aussehen, als ob er Gott auf einen Ort beschränken wolle. Von den Zeiten Hadrians bis zur Regierung Konstantins, also etwa 180 Jahre, verehrte man an der Stätte der Auferstehung ein Bild Jupiters und auf dem Felsen des Kreuzes eine Marmorstatue der Venus, welche die Heiden errichtet hatten. Die Urheber der Verfolgung meinten nämlich, sie könnten uns den Glauben an die Auferstehung und an das Kreuz nehmen, wenn sie die heiligen Orte durch Götzenbilder entweihten. Ein [S. 176] heiliger Hain des Thammuz, auch Adonis 20 genannt, umschattete unser Bethlehem, den erhabensten Ort in der ganzen Welt, von dem der Psalmist schreibt: „Die Wahrheit sproß aus der Erde hervor.“ 21 In der Höhle, in der einstens Christus als Kindlein wimmerte, wurde der Liebhaber der Venus beweint.

1: Gen. 12, 1.
2: 3 Kön. 8, 27; 2 Chron. 2, 6.
3: Joh. 4, 21. 24. 23.
4: Joh. 3, 8.
5: Ps. 23, 1.
6: Richt. 6, 40.
7: Matth. 8, 11; Luk. 16, 23.
8: Ps. 75, 2.
9: Ps. 18, 5; Röm. 10, 18.
10: Joh. 14, 31.
11: Matth. 23, 38.
12: Matth. 24, 35; Mark. 13, 31.
13: Matth. 16, 24; Mark. 8, 34; Luk. 9, 23.
14: Kol. 2, 12.
15: Jer. 7, 4.
16: 1 Kor. 3, 16; 2 Kor. 6, 16.
17: Luk. 17, 21.
18: Der große ägyptische Einsiedler (251—356), dessen Leben der hl, Athanasius beschrieb (BKV XXXI 687 ff.). Vgl. auch BKV XV 5. 25 ff.
19: Hieronymus hat das Leben dieses Einsiedlers beschrieben (vgl. BKV XV 33 ff.).
20: Adonis, der Geliebte der Aphrodite (Venus), versinnbildete das im Frühling erwachende, im Herbst absterbende Leben der Natur. Der Kult kam aus Syrien (Thammuz) über Griechenland nach Rom. Wiederholt wird im Alten Testament geklagt, daß die Juden sich diesem Kult hingegeben haben. (Vgl. comm. in Ezech. ad 8, 14 — M PL XXV 85 f.).
21: Ps. 84, 12.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger