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Hieronymus († 420) - Briefe
II.a. Aszetische Briefe: Über die kirchlichen Stände und ihre Aszese
58. An den Priester Paulinus

11.

Ich komme nun zu Dir, meinem Mitmysten, 1 Genossen und Freund, und ich will es besonders betonen, zu einem, der mir Freund ist, ehe ich ihn persönlich kenne. Ich möchte Dich bitten, meine Anerkennung nicht eis Schmeichelei zu deuten. Du sollst wissen, daß ich eher mich irren und gegen die Liebe fehlen will, ehe ich einen Freund durch falsches Lob täuschen möchte. Du besitzest großes Talent, verfügst über einen unerschöpflichen Sprachschatz. Leicht und klar fließen Deine Worte dahin, und in die Leichtigkeit und Klarheit baut sich Klugheit des Urteils ein. Ist der Kopf gesund, dann stehen alle Sinne auf der Höhe. Käme nun zu dieser Klugheit und Beredsamkeit noch das Studium und das Verständnis der Schrift hinzu, so würdest Du unter den unsrigen gar bald den Vogel abschießen. Wenn Du dann mit Joab hinaufsteigst zur Burg Sion, 2 wirst Du auf den Dächern laut verkünden, was Du in der Studierstube geschaffen hast. 3 Drum ans Werk, ans Werk! Das Leben gibt den Sterblichen nichts ohne große Anstrengung. 4 Mögest Du in der Kirche dieselbe Stellung einnehmen, die Du früher im Senate innehattest! Erwirb Dir Reichtümer, die Du täglich ausgeben kannst, ohne daß Du je Mangel hast, so lange noch die jugendliche Kraft vorhanden ist, bevor die Haare grau werden, 5 ehe Krankheiten und das traurige Greisenalter mit seinen Schwächen sich nahen und der unerbittliche, harte Tod Dich hinwegrafft. 6 Mittelmäßiges befriedigt mich bei Dir nicht. Ich wünsche in allem das Höchste, das Vollkommene. Mit welcher Sehnsucht ich den [S. 186] frommen 7 Priester Vigilantius aufgenommen habe, will ich hier nicht beschreiben. Er kann es Dir viel besser mit eigenen Worten schildern. Warum er so schnell abgereist ist und uns verlassen hat, das kann ich nicht sagen, da ich niemandem zu nahe treten will. 8 Doch habe ich ihn, der sozusagen eilig vorüberging, etwas festgehalten, so daß er sich ein Bild von unserer Freundschaft machen konnte. Aus seinem Bericht magst Du erschließen, ob Du an mir etwas auszusetzen hast. Deine Genossin im heiligen Dienste und Mitstreiterin im Herrn magst Du von mir grüßen.

1: Mysten hießen die Eingeweihten, die am Kult der Mysterien teilnehmen durften. Hieronymus wendet den Ausdruck auf Paulinus an, der sich als Mönch in besonderer Weise dem göttlichen Dienst widmen will.
2: 1 Chron. 11, 6.
3: Luk. 12, 3.
4: Horaz, Sat I 9, 59 f.
5: Sallust, Catil. 20, 10.
6: Vergil, Georg. III 67 f.
7: Gr. (I 27) meint, daß Hieronymus nicht gewagt habe, später bei Herausgabe der Briefe das Wort „sanctus“ zu streichen. Eine solche Vermutung verkennt, daß „sanctus“ etwa im Sinne von „ehrwürdig“ als Höflichkeitsformel so häufig bei Hieronymus erscheint, daß dem Ausdruck keine tiefere moralische Bedeutung zukommt.
8: Vgl. S. 171 Anm. 3.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger