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Hieronymus († 420) - Briefe
II.a. Aszetische Briefe: Über die kirchlichen Stände und ihre Aszese
54. An Furia über die Bewahrung der Witwenschaft

9.

Wenn ich dieses niederschreibe, dann will ich damit keineswegs die Speisen verdammen, welche Gott geschaffen hat, damit wir sie, ihm dafür Dank wissend, gebrauchen. 1 Ich mochte nur die Jünglinge und jungen [S. 158] Mädchen vor dem Zündstoff der Wollust behüten. Des Ätna Feuer, die dem Vulkan geweihte Erde, 2 selbst der Vesuv und der Olymp entwickeln keine solche Glut, wie sie der reichliche Weingenuß und die Unmäßigkeit im Essen im Marke der Jugend entfacht. Der Geiz wird von vielen überwunden und mit dem Geldbeutel abgelegt. Eine verleumderische Zunge wird durch das ihr auferlegte Schweigen gebessert. In einem Augenblick kann man auf Körperschmuck und Kleiderpracht verzichten. Alle anderen Sünden treten von außen her an uns heran, und was von außen kommt, ist leicht abzuwehren. Nur die Fleischeslust, die Gott um der Erzeugung der Nachkommenschaft willen in uns hineingelegt hat, kann, falls sie die ihr gesetzten Grenzen überschreitet, zum Laster werden und drängt, durch die natürliche Veranlagung begünstigt, zum unerlaubten Verkehr. Darum gehört viel Tugend und große Sorgfalt dazu, in Dir zu überwinden, was Dir angeboren ist, d.h. im Fleische, aber nicht fleischlich zu leben. Darum nimm den täglichen Kampf mit Dir selbst auf und beobachte den inneren Feind mit den hundert Augen des Argus, 3 von denen die Sage berichtet. Daran denkt auch der Apostel, wenn er schreibt: „Jede Sünde, die der Mensch tun kann, ist außerhalb des Körpers; der Unzüchtige aber vergeht sich an seinem eigenen Leibe.“ 4 Die Ärzte und alle, welche über die Natur des menschlichen Körpers geschrieben haben, besonders Galenus 5 in seinem Buche „Über den Schutz der Gesundheit“, sagen, daß der Körper der Knaben und Jünglinge, aber auch der der Männer und Frauen in der Vollreife der Jahre von einem inneren Feuer brenne. Diesem Alter seien Speisen, die genanntes Feuer schüren, schädlich. [S. 159] Deshalb sei es der Gesundheit förderlich, zuweilen etwas Kaltes zu essen oder zu trinken, wie auf der anderen Seite alten Leuten, die leicht frösteln oder an Erkältung leiden, warme Speisen und alte Weine gut tun. Daher sagt auch der Heiland: „Hütet euch, daß euer Herz nicht belastet werde durch Völlerei, Trunkenheit und die Sorgen dieses Lebens!“ 6 Und der Apostel mahnt: „Berauschet euch nicht am Weine, in dem Unkeuschheit verborgen ruht.“ 7 Es ist kein Wunder, daß der Bildner des Gefäßes, das er gemacht hat, 8 von diesem also denkt, wenn schon der Dichter, dessen Aufgabe es ist, der Menschen Sitten zu kennen und zu schildern, in einer Komödie sagt: „Ohne der Ceres und des Bacchus Spende friert die Venus.“ 9

1: 1 Tim. 4, 3.
2: Mit der Vulcania tellus sind die Liparischen Inseln (Aeoliae oder Vulcaneae insulae) gemeint.
3: Der hundertäugige Argus (vgl. Ovid, Met. I 625) bewachte die von Hera in eine Kuh verwandelte Jo.
4: 1 Kor. 6, 18.
5: Galenus Ὑγιεινῶν λόγων I 11; V 5.
6: Luk. 21, 34.
7: Eph. 5, 18.
8: Röm. 9, 20.
9: Terentius, Eunuchus 732.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger