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Hieronymus († 420) - Briefe
II.a. Aszetische Briefe: Über die kirchlichen Stände und ihre Aszese
54. An Furia über die Bewahrung der Witwenschaft

6.

In Christus geliebte Tochter, alles dies habe ich gesagt, nicht um die Aufrichtigkeit Deines Entschlusses in Zweifel zu ziehen. Denn nimmer würdest Du ein aufmunterndes Schreiben von mir erbitten, wenn Du in der Beurteilung der einmaligen Ehe schwanken würdest. Ich wollte Dich nur auf die Schlechtigkeit der Dienstboten, welche Dich ins Gerede der Leute bringen, und auf die Schliche der Verwandten aufmerksam machen und auf den gutgemeinten Irrtum Deines Vaters. Wenn ich ihm auch die Liebe zu Dir keineswegs abspreche, so weiß er [S. 155] doch nicht, was wahre Liebe ist, und ich muß mit dem Apostel sagen: „Sie haben den Eifer für Gott, aber es fehlt ihnen die wahre Erleuchtung.“ 1 Folge lieber, ich muß es immer wiederholen, Deiner seligen Mutter, an die ich so oft denke. Bald fällt mir ihr Eifer für Christus ein, bald ihr vom Fasten gebleichtes Gesicht, ihre Freigebigkeit gegen die Armen, ihr Gehorsam gegen die Diener Gottes, die Einfachheit ihrer Kleidung und ihres Herzens sowie ihre stets gemäßigte Rede. Dein Vater, den ich mit Hochachtung erwähne, 2 nicht weil er ein ehemaliger Konsul und ein Patrizier, sondern weil er ein Christ ist, soll seinem Namen gerecht werden. 3 Er soll sich freuen, daß er Christus und nicht der Welt eine Tochter geschenkt hat. Es sollte ihm vielmehr leid tun, daß Du Deine Jungfräulichkeit verloren hast, ohne der Frucht der Ehe teilhaftig zu werden. Wo ist der Gatte, den er Dir gegeben hat? Wenn er noch so aufmerksam und noch so gut gewesen wäre, der Tod hätte doch alles geraubt, und sein Hinscheiden hätte die fleischliche Verbindung gelöst. Ergreife nun die Gelegenheit und mache aus der Not eine Tugend! Nicht nach dem Anfang, sondern nach dem Ende seines Lebens wird der Christ beurteilt. Paulus hat schlecht angefangen, aber gut vollendet. Umgekehrt stand es mit Judas am Anfange gut, aber sein Ende ist wegen des geübten Verrates verdammenswert. Lies, was Ezechiel schreibt: „Die Gerechtigkeit des Gerechten wird ihn nicht freisprechen am Tage, an dem er sündigt. Die Gottlosigkeit des Sünders hingegen wird diesem nicht schaden, sobald er von seiner Gottlosigkeit zurückfindet.“ 4 Das ist die Jakobsleiter, auf der die Engel auf und nieder steigen, auf die der Herr sich stützt, 5 wenn er den Ermattenden seine Hand [S. 156] reicht und die müden Schritte der Aufsteigenden durch seinen ermunternden Blick beflügelt. Wie der Herr nicht den Tod des Sünders will, sondern daß er sich bekehre und lebe, 6 so haßt er die Lauen, die seinen Widerwillen erregen. 7 Wem ein größeres Maß von Verzeihung zuteil wird, der Hebt auch mehr. 8

1: Röm. 10, 2.
2: Vgl. Cicero, Philipp. II 12, 30.
3: „Impleat nomen suum et laetetur.“ Die Stelle legt nahe, daß Furias Vater Laetus hieß, falls man „nomen suum“ nicht auf „Christianus“ beziehen will.
4: Ezech. 33, 12.
5: Gen. 28, 12 f.
6: Ezech. 33, 11.
7: Offenb. 3, 16.
8: Luk. 7, 47.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger