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Hieronymus († 420) - Briefe
II.a. Aszetische Briefe: Über die kirchlichen Stände und ihre Aszese
54. An Furia über die Bewahrung der Witwenschaft

15.

Junge Witwen, von denen einige abgewichen sind hinter dem Satan her, pflegen zu sagen, wenn sie Christus zuwider der Wollust verfallen sind 1 und erneut heiraten wollen: „Mein väterliches Erbe geht täglich zurück, der Besitz der Vorfahren wird zerstreut, der [S. 165] Diener läßt es in seinen Worten an Ehrfurcht fehlen, und die Magd hört nicht auf meine Befehle. Wer soll meine geschäftlichen Angelegenheiten besorgen? Wer kümmert sich um die Einkünfte meiner Ländereien? Wer unterrichtet meine Kinder, und wer hält das Gesinde in Schach?“ Das geben sie, ein Jammer ist es, als Grund für die Wiederverehelichung an, ein Vorwand, der für sich allein schon vom Heiraten abhalten sollte. Den Kindern führt die Mutter nicht einen Ernährer, sondern einen Feind, nicht einen Vater, sondern einen Tyrannen zu. Von Wollust aufgepeitscht, vergißt sie ihre Kinder. Während sie noch vor kurzem inmitten ihrer Kinder, die von dem ihnen drohenden Elend nichts ahnten, trauerte, schmückt sie sich nun von neuem zur Hochzeit. Warum schützest Du die Sorge für das Vermögen, den Stolz der Dienstboten vor? Gestehe Deine Schande! Keine führt einen Gatten heim, um nicht bei ihm zu schlafen. Ist aber wirklich die Leidenschaft nicht die Triebfeder, was ist es dann für ein Wahnsinn, nach Art der Dirnen seine Keuschheit preiszugeben, um den Reichtum zu vermehren, während die Reinheit, die so kostbar und von ewigem Werte ist, wegen einer armseligen und vergänglichen Sache befleckt wird? Wenn Du Kinder hast, wozu nochmals heiraten? Hast Du keine, fürchtest Du denn da nicht, ein zweites Mal unfruchtbar zu bleiben? Warum ziehst Du eine unsichere Sache der Keuschheit, die ein sicherer Besitz ist, vor? Heute wird der Ehevertrag schriftlich festgelegt, bald nachher wird man Dich drängen, ein Testament zu machen. Der Mann täuscht eine Krankheit vor, und er, der wohlauf ist, wird zu Deinen Gunsten ein Testament machen, wie er es umgekehrt von Dir wünscht, wenn Du zum Sterben kommst. 2 Kommen aus der zweiten Ehe Kinder zur Welt, dann beginnt der häusliche Krieg, der Familienzwist. Du darfst Deine Kinder, denen Du das [S. 166] Leben geschenkt, nicht lieben und ihnen keinen freundlichen Blick gönnen. Heimlich reichst Du ihnen Speise, und der zweite Gatte wird auf den toten eifersüchtig werden. Wenn Du Deine Kinder nicht hassest, dann heißt es, Du liebst noch ihren Vater. Führt Dich aber einer heim, der aus seiner ersten Ehe Kinder mitbringt, dann magst Du noch so gut sein, man wird alle Gemeinplätze der Schauspieler, der Spottgedichte und der Rhetoren über die grausame Stiefmutter gegen Dich loslassen. Wird der Stiefsohn krank oder bekommt er Kopfschmerzen, dann verleumdet man Dich als Giftmischerin. Gibst Du ihm nichts zu essen, dann bist Du grausam; reichst Du ihm Speise, dann hast Du ihn vergiftet. Ich beschwöre Dich, was macht eine zweite Ehe so begehrenswert, daß man alle diese Dinge mit in den Kauf nehmen möchte?

1: 1 Tim. 5, 15. 11.
2: Vgl. Ammianus Marcellinus XXVIII 4, 26; Zeno v. Verona I tract. 10, 4 (M PL XI 335 f.; BKV II. Reihe X 142).

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger