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Hieronymus († 420) - Briefe
II.a. Aszetische Briefe: Über die kirchlichen Stände und ihre Aszese
54. An Furia über die Bewahrung der Witwenschaft

13.

Meide den Verkehr mit jungen Leuten! Geschniegelte und gestriegelte Jünglinge und solche, die geile Reden führen, soll das Dach Deines Hauses nicht sehen. Den Sänger halte wie einen Schädling fern! Harfen- und Zitherspielerinnen und die ganze dazugehörige Teufelssippe treibe wie tödliche Sirenenklänge aus Deinem Hause! Bewege Dich nicht zuviel in der Öffentlichkeit und laß Dich nicht nach Art allzu freier Witwen umhertragen unter Vorantritt eines Heeres von Eunuchen. Es ist eine tadelnswerte Unsitte, wenn das schwache Geschlecht und das gefährliche Alter seine Freiheit mißbraucht und meint, ihm sei alles gestattet, was ihm gefällt. „Alles ist mir zwar erlaubt, aber nicht alles frommt.“ 1 Dulde in Deiner Begleitung keinen Verwalter mit gekräuselten Haaren, keinen herausgeputzten Milchbruder, keinen hübschen und rotwangigen Schmarotzer! Zuweilen kann man aus dem Gebaren der Mägde auf die Gesinnung der Herrin schließen. Suche die Gesellschaft gottesfürchtiger Jungfrauen und Witwen auf! Sollte sich die Notwendigkeit ergeben, mit Männern reden zu müssen, so geschehe es in Gegenwart von Zeugen. Die Vertraulichkeit in der Unterhaltung soll nur soweit gehen, daß Du, wenn ein dritter hinzukommt, nicht zu erschrecken noch zu erröten brauchst. Das Gesicht ist der Spiegel der Seele, und die Augen verraten die Geheimnisse des verschwiegenen Herzens. Wir haben es ja neulich erlebt, wie sich ein schmachvolles Gerücht durch den ganzen Orient wälzte. Man hechelte das Alter, die Lebensweise, die Art, sich zu geben, das Auftreten, die Unvorsichtigkeit in der Wahl der Gesellschaft, die üppigen Gastmähler, die prunkvolle Aufmachung durch, wie wenn es sich um die Orgien eines Nero oder um die Hochzeit eines Sardanapal 2 handelte. [S. 163] Aus dem Schaden anderer wollen wir klug werden. Wenn man einen Gottlosen geißelt, dann wird der Tor weiser. 3 Eine heilige Liebe kennt keinerlei Ungeduld. 4 Schließlich verfliegt ein falsches Gerücht gar bald, und aus dem späteren Verhalten läßt sich das frühere Leben beurteilen. Es ist unmöglich, daß jemand seinen Lebenslauf vollendet, ohne ins Gerede der Menschen zu kommen. Für die Schlechten ist es ein Trost, an den Guten zu nörgeln; glauben sie doch, daß der Sünder Schuld sich mindert, wenn ihre Zahl anschwillt. Aber das Strohfeuer erlischt gar bald, 5 und allmählich stirbt die auflodernde Flamme ab, wenn es ihr an Nahrung fehlt. Wenn das Gerücht vom vorigen Jahre erlogen war, ja selbst wenn es auf Wahrheit beruhte, so wird es einschlafen, sobald der Anlaß verschwindet. Damit will ich nicht zum Ausdruck bringen, daß ich von Dir etwas Verkehrtes fürchte, sondern aus pflichtgemäßer Sorge ängstige ich mich auch um das, was feststeht. Könntest Du doch Deine Schwester 6 hier sehen und die Worte ihres frommen Mundes selbst vernehmen! Wie würdest Du erstaunt sein über den starken Geist in dem kleinen Körperchen! 7 Ein Herz würdest Du finden, in dem der ganze Hausrat des Alten und Neuen Testamentes brennt. Fasten ist ihr ein Spiel, Gebet ein Vergnügen. Mit Maria hält sie die Pauke in der Hand, und nach Pharaos Untergang geht sie als Vorsängerin vor dem Chor der Jungfrauen einher und singt: „Laßt uns dem Herrn lobsingen; denn wunderbar hat er sich verherrlicht; Roß und Reiter hat er ins Meer gestürzt!“ 8 Die einen bildet [S. 164] sie aus zu Harfenspielerinnen im Dienste Christi, die anderen unterweist sie auf der Zither zum Lobe des Erlösers. So geht es Tag und Nacht, und mit ständig gefüllter Lampe erwartet sie die Ankunft des Bräutigams. 9 Folge auch Du dem Beispiele Deiner Schwester! Mögest Du für Rom sein, was das im Vergleich mit der Weltstadt Rom armselige Bethlehem an ihr besitzt!

1: 1 Kor. 6, 12.
2: Der assyrische König Sardanapal (Assurbanipal, 668—626 v. Chr.) galt den Alten als eine Persönlichkeit, die in einer Person mächtige Heldenkraft und üppige Weichlichkeit vereinigte. Hieronymus gebraucht den Vergleich mit Sardanapal öfter und meint dabei immer Rufinus, so daß auch hier wohl an ihn oder an seine Begleiterin, die ältere Melania, zu denken ist (vgl. ep. 57, 12 ad Pammach.; comm. in Naum zu 3, 8 ff. und in Hab. praef. in libr. II — M PL XXV 1322. 1369).
3: Sprichw. 19, 25.
4: 1 Kor. 13, 4.
5: Vergil, Georg. III 99; Ovid, Trist. V 8, 20.
6: Furias Verwandte — nicht Schwester — Eustochium.
7: Vergil, Georg. IV 83.
8: Exod. 15, 20 f.
9: Matth. 25, 1 ff.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger