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Hieronymus († 420) - Briefe
II.a. Aszetische Briefe: Über die kirchlichen Stände und ihre Aszese
52. An den Priester Nepotian

11.

Von den gastlichen Gelagen der Weltleute mußt Du Dich fernhalten, erst recht, wenn sie hohe Ehrenstellen bekleiden. Es schickt sich nicht, wenn vor dem Hause eines Priesters des armen und gekreuzigten Heilandes, der selbst nur von mitleidigen Gaben lebte, die Liktoren der Konsuln oder Soldaten Posten stehen. Es gehört sich nicht, daß der oberste Beamte der Provinz bei Dir besser speist als in seinem Palaste. Man wende nicht ein, dies geschehe, um sich für die Armen und die Eurer Leitung Anvertrauten einzusetzen. Der weltliche Richter wird einem einfachen Priester viel eher einen Gefallen erweisen als einem reichen; Deine Tugend wird er viel mehr schätzen als großen Besitz. Handelt es sich aber um einen, der nur hinter der Flasche ein Ohr hat für den Geistlichen, dann verzichte ich lieber auf solche Gunst. Dann wende ich mich statt an den Richter an Christus, der wirksamer helfen kann. Besser ist es, auf den Herrn zu bauen als auf Menschen; besser, auf den Herrn zu hoffen als auf die Großen der Erde. 1 Dein Atem soll nicht den Weintrinker verraten, damit auf Dich nicht das Wort des Philosophen zutrifft: „Das heißt schon mehr, Wein zutrinken als einen Kuß geben.“ 2 Auch der Apostel will nichts wissen von Priestern, die dem Weine ergeben sind, 3 und im alten Gesetze heißt es: „Wer dem Altare dient, soll Wein und berauschendes Getränk (sicera) nicht trinken.“ 4 Das Wort sicera bezeichnet im Hebräischen jede Art von Trank, der berauschen kann, mag er nun mit Hilfe eines Gärungsmittels hergestellt oder aus dem Safte der Äpfel bereitet sein. Hierzu gehören auch der süße, bei den Barbaren gebräuchliche Trank, der aus Honigscheiben ausgekocht wird, 5 und die ausgepreßten Früchte der Dattelpalme, die man kocht und deren dicker Saft durchgeseiht wird. Was immer den Geist verwirrt und berauscht, das fliehe ebenso wie den Wein! Das sage [S. 143] ich nicht aus Geringschätzung gegenüber der Gabe Gottes 6 —, ist ja der Herr selbst ein Weintrinker gescholten worden, 7 und dem Timotheus, der am Magen litt, hat ein mäßiger Weingenuß Erleichterung gebracht 8 —, ich verlange nur ein dem Alter, dem Befinden und der körperlichen Veranlagung entsprechendes Maßhalten im Trinken. Wenn ich in voller Jugendkraft schon ohne Wein in Leidenschaft entbrenne, wenn mein Blut heiß in den Adern rollt, wenn mein Körper von Saft und Kraft strotzt, dann werde ich gern auf den Becher verzichten, auf dessen Grund das Gift lauert. Treffend heißt es bei den Griechen, und ich bezweifle, ob unsere Sprache den Vers entsprechend wiedergeben kann: „Ein voller Bauch ist feiner Denkungsart abhold.“ 9

1: Ps. 117, 8 f.
2: Unbekanntes Zitat.
3: 1 Tim. 3, 3; Tit. 1, 7.
4: Lev. 10, 9.
5: Der Met der Germanen.
6: Hieronymus wehrt sich gegen den Verdacht des Manichäismus.
7: Matth. 11, 19.
8: 1 Tim. 5, 23.
9: παχεῖα γαστὴρ λεπτὸν οὐ τίκτει νόον (vgl. Kock, Comoediae atticae fragmenta III, Leipzig 1888, 613 frgm. 1234).

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger