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Hieronymus († 420) - Briefe
II.a. Aszetische Briefe: Über die kirchlichen Stände und ihre Aszese
52. An den Priester Nepotian

10.

Viele bauen Kirchen und stützen sie mit mächtigen Säulen. Die Wände glänzen von Marmor, die getäfelten Decken schimmern von Gold. Der Altar wird mit Edelsteinen geschmückt, aber an die erforderliche Vorsicht bei der Auswahl der Diener Christi denkt man nicht. Man wird mich auf die reiche Ausstattung des Tempels in Judäa hinweisen, 1 dessen Opfertisch, Leuchter, Rauchfässer, Schüsseln, Becher, Mörser und sonstigen Kultgegenstände aus reinem Golde verfertigt waren. Dies alles wurde vom Herrn noch für gut geheißen in der Zeit, in welcher die Priester Schlachtopfer darbrachten und durch das Blut der Schafe die Sünden getilgt wurden. 2 Aber alle diese Dinge hatten nur vorbildliche Bedeutung. Das ist nämlich unsertwegen aufgeschrieben, die wir in den letzten Zeiten leben. 3 Jetzt aber, wo der Herr selbst arm geworden und die Armut [S. 141] seines Hauses geheiligt hat, wollen wir sein Kreuz beteten und alle Kostbarkeiten als wertlos ansehen. 4 Warum bestaunen wir, was Christus für ungerechten Mammon erklärt? 5 Warum erstreben und lieben wir Dinge, von denen Petrus freudig verkündet, daß sie ihm abgehen? 6 Wenn wir übrigens so am Buchstaben hängen und der einfache geschichtliche Bericht von dem Gold und den Reichtümern uns solche Freude bereitet, dann müssen wir nicht nur am Golde, sondern auch am übrigen festhalten. Die Bischöfe Christi mögen Jungfrauen heiraten, 7 und wer durch eine Narbe verunziert oder wer sonst entstellt ist, der wäre vom Priesteramt fernzuhalten, mag er auch innerlich noch so geeignet sein. 8 Dann müßte man sich halt mehr vor dem leiblichen Aussatz als vor der Verunreinigung der Seele hüten. 9 Wir wollen dann wachsen und uns vermehren und die Erde anfüllen. 10 Wir müssen dann aufhören, das Lamm zu opfern und das mystische Paschah zu feiern, weil dies außerhalb des Tempels durch das Gesetz untersagt ist. 11 Im siebten Monat werden wir das Laubhüttenfest begehen und das feierliche Fasten mit Trompetenschall ankündigen. 12 Wenn wir aber all dieses geistig auffassen und mit Paulus erwägen, daß das Gesetz geistig zu deuten ist, 13 wenn wir uns dazu an Davids Worte erinnern: „Öffne meine Augen, damit ich die Wunder deines Gesetzes schauen kann“, 14 dann werden wir das Gesetz so verstehen, wie es auch der Herr verstanden und in seiner Deutung des Sabbats zum Ausdruck gebracht hat. 15 Wir verzichten entweder auf das Gold samt den übrigen abergläubischen jüdischen Gebräuchen, oder wir müssen, wenn uns das Gold so sehr gefällt, auch an den Juden Gefallen finden, die uns je nach unserer Einstellung zum Golde ein Gegenstand der Achtung oder der Verachtung sein müssen.

[S. 142]

1: 3 Kön. 6—7.
2: Hebr. 9, 13; 10, 4.
3: 1 Kor. 10, 11.
4: Weish. 7, 9.
5: Luk. 16, 11.
6: Apg. 3, 6.
7: Lev. 21, 13.
8: Ebd. 21, 17 ff.
9: Ebd. 13.
10: Gen. 1, 28.
11: Deut. 16, 5 f.
12: Lev. 23, 34 ff.; 24.
13: 1 Kor. 2, 13; Röm. 7, 14.
14: Ps. 118, 18.
15: Mark. 2, 27 f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger