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Hieronymus († 420) - Briefe
II.a. Aszetische Briefe: Über die kirchlichen Stände und ihre Aszese
22. An Eustochium

8.

Wenn nun schon ein Mensch solche Kämpfe bestehen muß, der bei ausgehungertem Körper nur gegen Gedanken anzugehen hat, was droht da erst einer jungen Frau, welche mitten im Leben mit seinen Genüssen steht? Auf sie paßt etwa gar das Wort des Apostels: „Sie lebt, und doch ist sie tot“ 1 Wenn darum mein Rat noch etwas [S. 70] gilt, wenn einer, der Erfahrung besitzt, Vertrauen beanspruchen darf, dann geht meine erste Bitte, meine erste Mahnung dahin, daß die Braut Christi sich vor dem Weine wie vor einem Gifte hüte. Er ist die erste Waffe, deren sich die Teufel im Kampfe gegen die Jugend bedienen. Die Habsucht macht den Menschen vor Gier zittern, der Stolz bläht ihn auf, der Ehrgeiz reizt ihn an, aber schlimmer ist die Wirkung des Weines, Es ist verhältnismäßig leicht, sich von anderen Lastern freizuhalten, aber dieser Feind 2 ist in uns eingeschlossen. Wo immer wir hingehen, tragen wir diesen Gegner mit uns herum. Wein und Jugend sind die beiden Zündstoffe der Wollust, Warum noch Öl auf die Flamme gießen? Warum dem Brand in unserem Körper noch weitere Nahrung zufuhren? Paulus schreibt an Timotheus: „Trinke kein Wasser mehr, sondern wegen deines Magens und deiner dauernd geschwächten Gesundheit nimm etwas Wein zu dir!“ 3 Daraus ergibt sich, wann der Genuß des Weines erlaubt ist. Er ist gerade noch zugelassen als Heilmittel gegen Magenschmerz und Körperschwäche. Damit wir aber nicht etwa unsere Krankheit zum Vorwand nehmen, mahnt der Apostel, den Wein nur in kleinen Mengen zu genießen. Es ist zwar mehr der Rat eines Arztes als der eines Apostels, aber schließlich ist ja auch der Apostel ein Arzt der Seele. Timotheus sollte durch seine Kränklichkeit nicht gehindert werden, sich den mit der Verkündigung des Evangeliums verbundenen Anstrengungen zu unterziehen. Paulus wußte ja, daß er anderwärts geschrieben hatte: „Der Wein, in dem Wollust liegt“, 4 oder „Es ist gut für den Menschen, keinen Wein zu trinken und kein Fleisch zu essen.“ 5 Noe trank Wein und wurde trunken, als die Menschheit noch unerfahren war. Er pflanzte zum ersten Male einen Weinberg; 6 da wußte er vielleicht nicht, daß der Wein berauscht. Damit Du nun in allen [S. 71] Dingen das Geheimnisvolle der Hl. Schrift erkennst — denn das Wort Gottes ist eine Perle, die von allen Seiten durchbohrt werden kann —, so bedenke, daß auf die Trunkenheit die Entblößung des Körpers folgte, 7 ein Beweis, wie eng Wollust und Genußsucht miteinander verwachsen sind. Erst wird der Bauch angefüllt, und bald folgt das andere. Das Volk aß und trank; dann stand es auf, um zu spielen. 8 Lot, der Freund Gottes, der unter vielen Tausenden seines Volkes allein als gerecht befunden wurde und sich auf den Berg rettete, wurde von seinen Töchtern trunken gemacht. 9 Mögen diese auch den Untergang des Menschengeschlechtes befürchtet, mögen sie immerhin mehr aus Verlangen nach Kindern als aus böser Lust gehandelt haben, so wußten sie doch, daß ein gerechter Mann nur in trunkenem Zustand sich zu einer Tat, wie sie sie planten, hergibt. Er wußte überhaupt nicht, was er tat. War auch sein Wille nicht beteiligt, so war seine Unwissenheit doch schuldhaft. Auf diese Schuld führen sich die Moabiter und Ammoniter zurück, die Feinde Israels, die bis ins vierte und zehnte Geschlecht, ja bis in alle Ewigkeit den Weg zur Kirche Gottes nicht finden werden. 10

1: 1 Tim. 5, 6.
2: Die böse Begierlichkeit.
3: 1 Tim. 5, 23.
4: Eph. 5, 18.
5: Röm. 14, 21.
6: Gen. 9, 21. 20.
7: Gen. 9, 21.
8: Exod. 32, 6. Gedacht ist an unsittliche Orgien, wie sie vielfach mit den heidnischen Opfermahlzeiten verbunden waren.
9: Gen. 19.
10: Deut. 23, 3.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger