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Hieronymus († 420) - Briefe
II.a. Aszetische Briefe: Über die kirchlichen Stände und ihre Aszese
22. An Eustochium

6.

Wenn nun schon solche Jungfrauen immer noch Jungfrauen sind, so werden sie wegen anderer Sünden [S. 67] nicht selig, mögen sie auch die Jungfräulichkeit bewahrt haben. Was mag aber erst das Los derer sein, welche die Glieder Christi feilgeboten und den Tempel des Heiligen Geistes in eine Stätte der Unzucht umgewandelt haben? 1 Ihnen gilt das Wort: „Steige herab, setze dich in den Staub, Jungfrau, Tochter Babels! Setze dich auf die Erde; denn für die Tochter der Chaldäer gibt es keinen Thron mehr. Man wird dich nicht mehr die Zarte, die Verwöhnte nennen. Nimm den Mühlstein und mahle Mehl, mache auf dein Kleid, entblöße deine Schenkel, durchwate die Ströme! Man wird deine Scham aufdecken, und deine Schande wird offenbar werden.“ 2 Dies alles geschieht nach der bereits erfolgten Vereinigung mit dem Sohne Gottes, nachdem sie den Bruderkuß des Verlobten entgegengenommen hatte, sie, die einst der Prophet besang mit den Worten: „Es steht die Königin zu deiner Rechten, angetan mit einem Gewande, gülden und leuchtend in allen Farben.“ 3 Sie wird entblößt dastehen, und ihr Hinterteil wird ihr ins Gesicht gekehrt. Sie wird an einsamen Wassern sitzen; nachdem sie ihren Sitz bereitgestellt hat, wird sie die Beine spreizen für jeden, der vorbeikommt, und sich bis zum Scheitel besudeln. 4 Da wäre es freilich richtiger gewesen, sich unter das eheliche Joch des Mannes zu beugen, in der Ebene zu bleiben, anstatt nach der Höhe zu streben, um dann hinabzustürzen in den Abgrund der Hölle. Ich beschwöre Dich, laß das treue Sion nicht zu einer buhlerischen Stadt werden! 5 Mögen in Deiner Seele, welche der Dreifaltigkeit gastliche Einkehr bot, nicht die Teufel ihr Spiel treiben, nicht Sirenen und Igel horsten! 6 Das Busenband bleibe ungelockert! Sobald die Begierde unsere Sinne reizt, das lockende Feuer der Lust uns mit wohliger Wärme durchströmt, wollen wir in die Worte ausbrechen: „Der Herr ist meine [S. 68] Hilfe. Ich werde mich nicht fürchten, was auch immer das Fleisch mir antun mag.“ 7 Wenn der innere Mensch auch nur ein wenig zwischen Laster und Tugend zu schwanken anhebt, dann sprich: „Warum bist du betrübt, meine Seele, warum bringst du mich in Verwirrung? Hoffe auf den Herrn, ihn will ich preisen, das Heil meines Antlitzes, ihn, meinen Gott.“ 8 Laß die bösen Gedanken nicht mächtig werden! Laß nicht aufkommen, was von Babel stammt, was Verwirrung anzettelt! Töte den Feind, solange er schwach ist! Bereits aus dem Samen muß man die Bosheit ausscheiden, Höre auf des Psalmisten Warnung: „Elende Tochter Babels, wohl dem, der dir vergelten wird! Wohl dem, der deine Kinder ergreift und sie am Felsen zerschmettert!“ 9 Es ist ja an sich unmöglich, daß die dem Menschen eingeborene, aus seinem Innern kommende Glut seine Sinne unberührt läßt. 10 Deshalb gebührt dem Anerkennung und Lob, der die schlimmen Gedanken gleich im Entstehen ertötet und am Felsen zerschmettert. Der Fels aber ist Christus. 11

1: 1 Kor. 6, 15. 19.
2: Is. 47, 1 ff.
3: Ps. 44, 10.
4: Ezech. 16, 31 (nach LXX). 24 f.; Jer. 2, 16.
5: Is. 1, 21.
6: Ebd. 13, 21 f.
7: Ps. 117, 6; 55, 5.
8: Ebd. 41, 6 f.
9: Ebd. 136, 8 f.
10: Vergil, Aen. VIII 389 f.
11: 1 Kor. 10, 4.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger