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Hieronymus († 420) - Briefe
II.a. Aszetische Briefe: Über die kirchlichen Stände und ihre Aszese
22. An Eustochium

5.

Der Apostel Paulus, das Gefäß der Auserwählung, ausgesondert für das Evangelium Christi, 1 züchtigt wegen des Stachels des Fleisches und wegen des Reizes zur Sünde seinen Leib und hält ihn in Dienstbarkeit Er will nicht, während er anderen predigt, selber zugrunde gehen, 2 Trotzdem empfindet er ein anderes [S. 66] Gesetz in seinen Gliedern, das dem Gesetze seines Geistes widerspricht. Er kommt sich vor wie ein Gefangener, der hingetrieben wird zum Gesetz der Sünde; und nach allen Entbehrungen, nach allem Fasten und Hungern, nach Kerker, Geißel und Schlägen kommt er auf sich selbst zurück und bricht in die Worte aus; „O ich unglücklicher Mensch, wer wird mich von diesem Leibe des Todes befreien?“ 3 Kannst Du Dich da im Gegensatz zum Apostel in Sicherheit wähnen? Ich bitte Dich, gib acht, daß der Herr nicht eines Tages von Dir sagt: „Israel, die Jungfrau, ist gefallen, und niemand findet sich, der sie wieder aufrichtet.“ 4 Ich will einmal ein kühnes Wort sprechen. Wenn auch Gott alles kann, einer gefallenen Jungfrau kann er die Jungfräulichkeit nicht wiedergeben, 5 Er kann ihr wohl die Strafe erlassen, aber mit der Krone der Unversehrtheit will er die Entehrte nicht schmücken. Uns soll die Weissagung: „Es wird an guten Jungfrauen mangeln“ 6 eine Warnung sein, damit sie sich nicht an uns erfülle. Beachte, was der Prophet sagt: „An guten Jungfrauen wird es mangeln.“ Es gibt nämlich auch schlechte Jungfrauen. Lesen wir doch: „Wer eine Frau anschaut, um ihrer zu begehren, hat in seinem Herzen die Ehe schon gebrochen.“ 7 Die Jungfräulichkeit kann also schon durch einen Gedanken verlorengehen. Solcher Art sind die schlechten Jungfrauen, die Jungfrauen dem Fleische, nicht aber der Gesinnung nach. Das sind die törichten Jungfrauen, welche der Bräutigam aussperrt, weil sie kein Öl bei sich haben. 8

1: Apg. 9, 15.
2: 2 Kor. 12, 7; 1 Kor. 9, 27.
3: Röm. 7, 23 f.
4: Amos 5, 1 f.
5: Gr.(I 135) übersetzt: „Eine Jungfrau kann er nach ihrem Falle nicht mehr aufrichten.“ Diese Übersetzung ist, wie schon der nachfolgende Satz zeigt, unrichtig. Damit wird auch das im Zusammenhang mit dieser Stelle gefällte harte Urteil gegenstandslos.
6: Amos. 8, 13.
7: Matth. 5, 28.
8: Ebd. 25, 3. 12.

 

 

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Einleitung zu den Briefen des Hieronymus
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger