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Hieronymus († 420) - Briefe
II.a. Aszetische Briefe: Über die kirchlichen Stände und ihre Aszese
22. An Eustochium

32.

Trotzdem sehen wir manche Frauen, welche ihre Schränke mit Kleidern vollpfropfen, täglich ein anderes Kostüm tragen und doch der Motten nicht Herr werden können. Wer sich gottesfürchtiger vorkommt, trägt ein Kleid auf und kommt bei gefüllten Schubladen in Lumpen daher. Man schreibt mit Purpur auf Pergament, flüssiges Gold wird zu Buchstaben, Edelsteine zieren die Handschriften, während vor der Türe Christus im Elende stirbt. Halten diese Frauen einem Dürftigen die Hand hin, so posaunen sie es aus; laden sie zu einem Liebesmahle ein, so wird ein Herold gedungen. Ich sah vor einiger Zeit — die Namen will ich verschweigen, damit Du es nicht für eine Satire hältst — eine sehr vornehme römische Dame in der Basilika des hl. Petrus in Begleitung ihrer Eunuchen. Um besonders fromm zu erscheinen, teilte sie mit eigener Hand die einzelnen Geldstücke unter die Armen aus. Inzwischen lief, wie man es ja aus Erfahrung kennt, eine alte Frau, die nicht weniger Jahre als Lumpen auf dem Rücken trug, 1 wieder nach vorn, um ein zweites Geldstück zu erhalten. Als nun die Reihe an sie kam, erhielt sie statt des erhofften Denars einen Faustschlag, so daß gleichsam als Ankläger dieser Freveltat das Blut hervorquoll. „Die Wurzel aller Übel ist die Habsucht“, weshalb sie auch der Apostel einen Götzendienst nennt. 2 Suche zuerst [S. 104] das Reich Gottes, und alles andere wird Dir hinzugegeben werden. 3 Die Seele des Gerechten wird der Herr nicht Hungers sterben lassen. 4 Ich bin jung gewesen und alt geworden, aber nie habe ich gesehen, daß ein Gerechter verlassen war und seine Kinder ihr Brot betteln mussten. 5 Raben bedienen den Elias und versorgen ihn mit Speise. 6 Die Witwe zu Sarepta, die in der gleichen Nacht mit ihren Kindern sterben wollte, bewirtet, selbst hungernd, den Propheten. Welch ein Wunder! Der gekommen war, um sich beköstigen zu lassen, ernährt sie jetzt seinerseits aus dem aufgefüllten Mehlkasten. 7 Der Apostel Petrus spricht: „Silber und Gold habe ich nicht, aber was ich habe, gebe ich dir. Im Namen Jesu Christi stehe auf und gehe umher!“ 8 Jetzt aber sagen viele, wenn auch nicht in Worten, so doch in der Tat: „Glaube und Barmherzigkeit habe ich nicht, aber was ich habe, Silber und Gold, das gebe ich dir nicht.“ Wenn wir Nahrung und Kleidung haben, wollen wir damit zufrieden sein. 9 Höre, worum Jakob in seinem Gebete bittet: „Gott der Herr sei mit mir und beschütze mich auf dem Wege, über den meine Wanderung führt. Er gebe mir Brot zu essen und Kleidung, um mich zu kleiden.“ 10 Nur um das Nötige betete er. Aber nach zwanzig Jahren kehrt er als reicher Herr, reicher noch an Kindersegen, ins Land Kanaan zurück. 11 Noch unzählige Belege aus der Hl. Schrift wären anzuführen, die ebenfalls zeigen, wie man die Habsucht meiden muß.

1: Terentius, Eunuchus 236.
2: 1 Tim. 6, 10; Eph. 5, 5; Kol. 3, 5.
3: Matth. 6, 33.
4: Sprichw. 10, 3.
5: Ps. 36, 25.
6: 3 Kön. 17, 6.
7: Ebd. 17, 8 ff.
8: Apg. 3, 6.
9: 1 Tim. 6, 8.
10: Gen. 28, 20.
11: Ebd. 32, 5. 13; 35, 22 ff.

 

 

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Einleitung zu den Briefen des Hieronymus
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger