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Hieronymus († 420) - Briefe
II.a. Aszetische Briefe: Über die kirchlichen Stände und ihre Aszese
22. An Eustochium

28.

Doch es soll nicht aussehen, als ob ich nur an den Frauen zu nörgeln hätte. Fliehe auch die Männer, die sich mit Bußketten beschweren, entgegen dem Verbote des Apostels die Haare nach Frauenart tragen, 1 dazu einen Bocksbart und ein schwarzes Pallium, und der Kälte zum Trotz barfuß gehen. Alle diese Dinge verraten, daß der Teufel dabei seine Hand im Spiele hat. Zu dieser Kategorie gehörten einst Antimus und vor kurzem Sophronius zum Leidwesen der römischen Kirche. Sie verschafften sich Zutritt zu vornehmen Häusern und betörten die sündenbeladenen Weiblein, die immer lernen wollen und nie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. 2 Sie machen einen recht niedergeschlagenen Eindruck und halten scheinbar lange Fasten, die sie um so mehr in die Länge ziehen können, da sie nachts durch heimlich genossene Speisen nachhelfen. Ich scheue mich, noch mehr zu sagen; denn ich will ja eine Mahnrede und keine Satire verfassen. Andere finden sich, und da rede ich von Leuten meines Standes, die deshalb nach der Priester- und Diakonatswürde streben, damit sie ungestörter Frauen besuchen können. Ihre einzige Sorge ist der Anzug, das feine Parfüm, ein Schuh, der nicht wie ein Blasebalg am Fuße schlottert. [S. 97] Mit einer Brennschere kräuseln sie ihre Haare, 3 an den Fingern glänzen Ringe. Gehen sie auf der Straße, so treten sie kaum auf, damit ihre Füße nicht vom Straßenkot bespritzt werden. Wenn man sie sieht, dann möchte man sie eher für Freier als für Geistliche halten. Für einige besteht die ganze Lebensbeschäftigung darin, sich mit Namen, Wohnung und Lebensart vornehmer Frauen bekanntzumachen. Ich will einmal einen aus ihnen, der in dieser Kunst Meister ist, ganz kurz schildern. Wenn Du nämlich den Meister kennst, dann kannst Du Dir eher einen Begriff von den Schülern machen. Mit der Sonne steht er eilig auf. Er legt sich seine Besuchsordnung zurecht und rechnet sich die kürzesten Wege aus. Beinahe dringt der rücksichtslose Graukopf bis zum Bette der noch Schlafenden vor. Sieht er ein kleines Kissen, ein gesticktes Handtuch oder sonst etwas, was zum Haushalt gehört, dann lobt und bewundert er es. Er nimmt es in seine Finger und klagt, daß ein solches Stück ihm gerade abgeht. Man kann schon sagen, er bittet nicht darum, sondern er erpreßt es. Denn schließlich fürchtet sich jede Frau, es mit dem Stadtboten zu verderben. Von Keuschheit und Fasten will er nichts wissen. Er zieht den Duft ein, um die Mahlzeit zu prüfen, und lobt: „Geflügel;“ im Volksmunde heißt er nur „der alte Schmatzer“. Seine Worte verraten keine Bildung und kommen überstürzt heraus, stets bereit, über andere herzuziehen. Wo immer Du hinkommst, überall drängt er sich vor. Gibt es etwas Neues, so weiß er davon, nicht selten mit Übertreibungen, zu erzählen. Die Pferde wechseln jede Stunde; bald sind sie glänzend, bald wild, so daß man ihn für einen Bruder jenes bekannten thrakischen Königs halten möchte. 4 [S. 98]

1: 1 Kor. 11, 14.
2: 2 Tim. 3, 6 f.
3: Cicero, Post red. in sen. 7, 16.
4: Diomedes, der König der Bistonen in Thrakien, gab seinen wilden Stuten Menschenfleisch zu fressen. Herakles bezwang ihn und warf ihn dann den Pferden zum Fraße vor, die er an Eurystheus in Tiryns auslieferte.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger