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Hieronymus († 420) - Briefe
II.a. Aszetische Briefe: Über die kirchlichen Stände und ihre Aszese
22. An Eustochium

27.

Mit aller Sorgfalt mußt Du auch darauf achten, daß Du nicht dem Verlangen nach eitlem Ruhm nachgibst. Christus sagt: „Wie könnt ihr Glauben haben, wenn ihr Ruhm von den Menschen entgegennehmt?“ 1 Das muß schon ein großes Übel sein, wenn der, der sich dessen schuldig macht, keinen Glauben haben kann. Wir sprechen; „Du bist mein Ruhm. 2 Wer sich rühmt, soll sich im Herrn rühmen. 3 Wenn ich den Menschen gefallen möchte, könnte ich nicht Christi Diener sein. 4 Es sei fern von mir, mich zu rühmen außer im Kreuze meines Herrn Jesu Christi, durch den mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt. 5 In Gott wollen wir uns rühmen den ganzen Tag; 6 im Herrn soll sich rühmen meine Seele.“ 7 Gibst Du Almosen, soll nur Gott darum wissen. 8 Fastest Du, dann tue es heiteren Angesichtes. 9 Dein Kleid trage keine gesuchte Reinlichkeit zur Schau, aber es sei auch nicht vernachlässigt und wirke durch keine Besonderheit auffällig. Denn die Vorübergehenden sollen, wenn sie Dir begegnen, nicht stehenbleiben und mit Fingern auf Dich zeigen. 10 Ist ein Mitbruder gestorben oder eine Mitschwester zu begraben, so sei nicht zu oft dabei, damit Deine Seele nicht stirbt. Suche nicht den Eindruck zu erwecken, als seiest Du frömmer oder demütiger, als nötig ist. Laß Dir nicht anmerken, daß Du dem Ruhme aus dem Wege gehst; denn das hieße, ihn suchen. Manche, die gar keine Zeugen ihrer Armut, ihrer Mildtätigkeit, ihres Fastens wünschen, wollen gerade dadurch Anerkennung herausfordern, daß sie ihr aus dem Wege gehen. So merkwürdig es klingt, man kann gerade dadurch um Menschenlob werben, daß man [S. 95] es zu meiden trachtet. Ich kenne manche Menschen, die sich von allen Erregungen, die das Herz bewegt, freihalten, wie Furcht und Verärgerung, Hoffnung und Freude. 11 Aber es sind nur wenige, bei denen sich dieser Fehler gar nicht findet. Der ist schon der Beste, der einem schönen Körper gleicht, der nur hin und wieder ein unangenehmes Muttermal aufweist. 12 Ich wage es nicht, Dich zu ermahnen, kein Aufhebens zu machen von Deinem Reichtum oder von Deiner vornehmen Herkunft. Ebensowenig verlange ich, daß Du nicht mehr sein willst als andere. Denn ich kenne Deine Demut und ich weiß, daß Du aus innerer Überzeugung sprichst: „O Herr, mein Herz bläht sich nicht auf, und meine Augen schauen nicht in die Höhe.“ 13 Ich weiß, daß der Stolz, der dem Teufel zum Falle wurde, 14 bei Dir wie bei Deiner Mutter keine Stätte hat. Deshalb erübrigt es sich, darüber an Dich zu schreiben. Ist es doch eine große Torheit, jemanden etwas lehren zu wollen, was er schon weiß. Aber auch der Gedanke, daß Du die Hoffart der Welt verachtest, soll keinen Stolz in Dir erzeugen. Es könnte sich doch ganz heimlich die Auffassung einschleichen, durch schlichte Kleidung gefallen zu wollen, nachdem Du aufgehört hast, golddurchwirkte Gewänder zu tragen. Auf einen gewissen Stolz könnte es zurückgehen, wenn Du in der Versammlung der Brüder und Schwestern erscheinst und erklärst, Du seiest selbst eines niedrigen Fußbänkchens unwürdig. Wenn Du sprichst, so bemühe Dich nicht, leise zu sprechen, als ob Deine Stimme durch das Fasten geschwächt sei. Gehe nicht einher wie ein kränkelnder Mensch und stütze Dich nicht auf eines anderen Schulter! Es gibt Frauen, die ihr Angesicht entstellen, damit man sieht, daß sie fasten. Sobald sie jemand bemerken, seufzen sie auf, schlagen die Augenbrauen nieder, bedecken ihr Gesicht und lassen knapp ein Auge frei, um sehen zu [S. 96] können. Sie tragen ein dunkles Gewand und einen groben Gürtel. Während Hände und Füße vor Schmutz starren, strotzt der Bauch, den ja niemand sehen kann, vor Speise. Für diese Art Menschen gilt, was wir täglich im Psalm singen: „Gott zerstreut die Gebeine der Menschen, die sich selbst gefallen.“ 15 Andere ändern ihr Gewand und ziehen Männerkleider an. Sie schämen sich ihrer natürlichen Bestimmung, Frauen zu sein, tragen Herrenschnitt und ziehen herausfordernd mit ihren stolz erhobenen Eunuchengesichtern einher. Auch solche gibt es, die härene Decken tragen mit Kapuzen und in ihrer kindischen Einfalt es den Eulen und Käuzen gleichtun.

1: Joh. 5, 44.
2: Jer. 17, 14.
3: 1 Kor. 1, 31; 2 Kor. 10, 17.
4: Gal. 1, 10.
5: Ebd. 6, 14.
6: Ps. 43, 9.
7: Ebd. 33, 3 (nach LXX).
8: Matth. 6, 16.
9: Ebd. 6, 16.
10: Horaz, Carm. IV 3, 22.
11: Die Stoiker.
12: Horaz, Sat. I 6, 65 ff.
13: Ps. 130, 1.
14: Is. 14, 12 ff.
15: Ps. 52, 6 (nach LXX).

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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