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Hieronymus († 420) - Briefe
II.a. Aszetische Briefe: Über die kirchlichen Stände und ihre Aszese
22. An Eustochium

25.

Dein verborgenes Kämmerlein sei Dein ständiger Schutz. Dort im geheimen möge Dein Bräutigam sich zärtlich gegen Dich zeigen. Betest Du, so sprichst Du mit Deinem Bräutigam; liest Du, dann redet er mit Dir. Kommt der Schlaf über Dich, dann stellt er sich hinter die Wand, streckt seine Hand durch einen Spalt und berührt Deinen Leib. 1 Du aber wirst erschreckt aufspringen und sprechen: „Ich bin verwundet von Liebe.“ 2 Dann wirst Du seine Stimme vernehmen: „Meine Schwester, meine Braut ist ein verschlossener Garten, ein versiegelter Quell.“ 3 Verlasse das Haus nicht und verlange nicht, die Töchter eines fremden Landes zu schauen, wenn Du auch Patriarchen zu Brüdern hast und Dich Israels als Deines Vaters erfreuen darfst. Dina ging aus und wurde geschändet. 4 Du sollst Deinen Bräutigam nicht in den Straßen suchen, Du sollst nicht in den Stadtvierteln herumschweifen. Wenn Du sagst; „Ich will mich aufmachen und in der Stadt umhergehen, auf dem Markt und in den Straßen will ich den suchen, den meine Seele liebt“, 5 und wenn Du dann fragst: „Habt ihr ihn gesehen, den meine Seele liebt?“, 6 dann wird Dich niemand einer Antwort würdigen. Den Bräutigam kannst Du in den Straßen nicht finden. „Schmal und eng ist der Weg, der zum Leben führt.“ 7 Auch die Braut im Hohenliede sagt zuletzt: „Ich habe ihn gesucht, aber nicht gefunden; ich habe nach ihm gerufen, aber er antwortete mir nicht.“ 8 Und wenn dies noch das einzige wäre, daß Du ihn nicht findest. Vielmehr wird man Dich verwunden und entblößen, und jammernd wirst Du berichten: [S. 92] „Die Wächter, die in der Stadt umhergehen, haben mich gefunden; man schlug und verwundete mich und raubte mir mein Gewand.“ 9 Das ist jener Braut, als sie ausging, zugestoßen, die gesagt hatte: „Ich schlafe, aber mein Herz wacht. 10 Mein Bräutigam ist gleich einem Myrrhenstrauß, der zwischen meinen Brüsten ruht.“ 11 Wie mag es da erst uns jungen Mädchen gehen, die wir draußen bleiben, wenn die Braut mit dem Bräutigam ins Hochzeitsgemach eingeht? 12 Jesus ist eifersüchtig. Er will nicht, daß ein anderer Dein Antlitz sieht. Du magst zu Deiner Entschuldigung sagen: „Ich habe den Schleier angelegt und mein Gesicht verdeckt. Ich habe dich gesucht und gesprochen; Sag mir an, du, den meine Seele liebt, wo führst du deine Herde zur Weide, wo ruhst du um die Mittagszeit, damit ich nicht werde wie eine Verhüllte bei den Herden deiner Genossen.“ 13 Er aber wird in seinem Unwillen und Zorn erwidern: „Wenn du dich nicht selbst kennst, du schönste unter den Frauen, so gehe heraus und folge den Spuren der Herden und weide deine Böcke bei den Zelten der Hirten. 14 Magst du auch schön sein, mag unter allen Frauen deine Schönheit das Wohlgefallen des Bräutigams erwecken, wenn du dich nicht selbst kennst und mit der größten Sorgfalt dein Herz bewahrst, wenn du nicht den Blicken der jungen Männer aus dem Wege gehst, dann mußt du mein Brautgemach verlassen und Böcke weiden, die einstens zur Linken zu stehen kommen.“ 15

1: Hohel. 5, 4.
2: Ebd. 5, 8 (nach LXX).
3: Ebd. 4, 12.
4: Gen. 34, 1 ff.
5: Hohel. 3, 2.
6: Ebd. 3, 3.
7: Matth. 7, 14.
8: Hohel. 5, 6.
9: Hohel. 5, 7.
10: Ebd. 5, 2.
11: Ebd. 1, 12.
12: Matth. 25, 10.
13: Hohel. 1, 6. Hieronymus schließt sich hier an des Origenes erste Homilie über das Hohe Lied, die er selbst übersetzt hat, an. Der Sinn ist: „Während ich dich suche, stoße ich auf andere Hirten. Weil ich bei ihrem Anblick erröte, so muß ich mein Antlitz verschleiern.“ (M PG XIII 45 f.)
14: Hohel. 1, 7.
15: Matth. 25, 33.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger