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Hieronymus († 420) - Briefe
II.a. Aszetische Briefe: Über die kirchlichen Stände und ihre Aszese
22. An Eustochium

21.

Das Alte Testament vertrat ein anderes Glücksideal. Da heißt es: „Glückselig, wer Samen hat in Sion und Hausgenossen in Jerusalem.“ 1 Oder: „Verflucht ist die Unfruchtbare, die nicht gebiert.“ 2 Oder: „Jungen Ölzweigen gleich mögen deine Kinder an deinem Tische sitzen.“ 3 Mit dem Kindersegen wurde den Israeliten großer Reichtum versprochen. Es war ihnen verheißen, daß kein Kranker in ihren Stämmen sein werde. 4 Halte Dich aber jetzt im Neuen Bunde nicht etwa für ein dürres Holz; denn statt der Sohne und Töchter hast Du eine ewige Stätte im Himmel. 5 Jetzt werden die Armen selig gepriesen, und Lazarus steht über dem in Purpur gekleideten Reichen. 6 Jetzt ist der der Stärkere, der schwach ist. Der Erdkreis war leer, und — die typische Bedeutung soll außer Betracht bleiben — Kinder waren der einzige Segen. Deshalb verband sich Abraham noch als Greis mit der Kethura, 7 und Lia erkaufte sich Jakobs Beilager mit Alraunen. 8 Die schöne Rachel beklagt sich als Vorbild der Kirche, daß ihr Schoß verschlossen sei. 9 Als aber die Saat allmählich heranwuchs, wurde der Schnitter über sie gesandt. Elias lebte jungfräulich, Elisäus lebte jungfräulich, und viele Prophetensöhne lebten jungfräulich. An Jeremias ergeht der Befehl: „Nimm dir keine Frau!“ Im Mutterleibe geheiligt, wird ihm am Vorabend der Gefangenschaft untersagt, eine Frau zu nehmen. 10 Der Apostel sagt dasselbe, nur mit anderen Worten: „Ich aber bin der Meinung, wegen der bevorstehenden Drangsal sei es gut für den Menschen, so zu sein.“ 11 Was ist das für eine Drangsal, welche die Menschen der ehelichen Freuden beraubt? „Die Zeit ist abgekürzt. Es bleibt nur übrig, daß die, welche Frauen haben, so seien, als ob sie keine haben.“ 12 Nabuchodonosor steht vor dem Stadttor. Der Löwe erhebt sich von [S. 86] seinem Lager. 13 Wozu eine Ehe, die nur Sklaven für diesen hoffärtigsten aller Könige schafft? Wozu Kinder, welcher der Prophet bedauernd gedenkt, wenn er sagt: „Es klebe des Säuglings Zunge vor Durst an seinem Gaumen. Die Kleinen verlangten nach Brot, und niemand war, der es ihnen brechen konnte.“ 14 Das Gut der Enthaltsamkeit fand sich, wie ich bereits darlegte, im Alten Testamente nur bei Männern, während Eva ständig in Schmerzen Kinder gebar. Als aber die Jungfrau empfing und uns den Knaben gebar, auf dessen Schulter die Herrschaft ruhte, Gott, den Starken, den Vater der Zukunft, 15 da war der Bannfluch gelöst. Eva brachte den Tod, Maria das Leben. Deshalb floß auch die Gabe der Jungfräulichkeit reichlicher auf die Frauen über, weil sie von einer Frau ihren Ausgang genommen hatte. Sobald der Sohn Gottes seinen Eintritt in diese Welt hielt, schuf er sich eine neue Familie, damit er, der im Himmel von den Engeln angebetet wurde, auch Engel auf Erden habe. Eine enthaltsame Judith war es, die damals dem Holofernes das Haupt abschlug. 16 Damals verbrannte Aman — dies Wort bedeutet Schlechtigkeit — in seinem eigenen Feuer. 17 Damals verließen Jakobus und Johannes Vater, Netze und Schiffe und folgten dem Erlöser nach. 18 Ihnen lag nichts an den Banden des Blutes, an den Beziehungen, die sie mit der Welt verknüpften, an den Sorgen für ihren Hausstand. Da hörte man zuerst das Wort: „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst; der nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ 19 Kein Soldat zieht mit seiner Frau ins Feld. Der Jünger, der zum Begräbnis seines Vaters gehen will, erhält hierzu keine Erlaubnis. 20 „Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel des Himmels ihre Nester, aber der Menschensohn hat nichts, wohin er sein Haupt legen könnte.“ 21 Darum betrübe auch Du Dich nicht, wenn [S. 87] Deine Räume beschränkt sind. „Wer ohne Frau ist, sorgt sich um das, was Gottes ist, und sinnt, wie er dem Herrn gefalle. Wer aber eine Frau besitzt, kümmert sich um die Dinge dieser Welt und sinnt, wie er seiner Frau gefalle. Geschieden ist die Frau und die Jungfrau. Die Jungfrau, die nicht verheiratet ist, denkt an das, was Gottes ist, damit sie heilig sei an Leib und Seele. Aber die verheiratete Frau denkt an die Dinge dieser Welt und überlegt, wie sie ihrem Manne gefalle.“ 22

1: Is. 31, 9 (nach LXX).
2: Job 24, 21.
3: Ps. 127, 3.
4: Ebd. 104, 37.
5: Is. 56, 3. 5.
6: Luk. 16, 25.
7: Gen. 25, 1.
8: Ebd. 30, 14 ff.
9: Ebd. 30, 1.
10: Jer. 16, 2.
11: 1 Kor. 7, 26.
12: Ebd. 7, 29.
13: Jer. 4, 7.
14: Klagel. 4, 4.
15: Is. 9,6.
16: Judith 8, 4 ff.: 13, 10.
17: Esth. 7, 10.
18: Matth. 4, 21 f.
19: Ebd. 16, 24.
20: Ebd. 8, 21 f.
21: Ebd. 8, 20.
22: 1 Kor. 7, 32 ff.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger