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Hieronymus († 420) - Briefe
II.a. Aszetische Briefe: Über die kirchlichen Stände und ihre Aszese
22. An Eustochium

20.

Ich billige das Heiraten und achte den Ehestand hoch, aber deshalb, weil aus ihm die jungfräulichen Seelen hervorgehen. Ich pflücke Rosen von den Dornen und gewinne Gold aus dem Erdboden, Perlen aus den Muscheln. Geht der Landwirt den ganzen Tag hinter [S. 84] dem Pfluge her? Will er sich nicht auch an der Frucht seiner Arbeit erfreuen? Die Ehe genießt um so höheres Ansehen, je mehr die aus ihr hervorgehende Jungfräulichkeit Anerkennung findet. Weshalb, o Mutter, blickst Du ungehalten auf Deine Tochter? Deine Milch hat sie genährt, aus Deinem Schoße hervorgegangen, ist sie an Deinem Busen groß geworden. Mit sorgender Liebe hast Du sie beschützt. Bist Du etwa unzufrieden, daß sie nicht die Gattin eines Soldaten, sondern die eines Königs werden wollte? Sie hat Dir ein großes Glück vermittelt, bist Du doch Gottes Schwiegermutter geworden. 1 „Über die Jungfrauen“, schreibt der Apostel, „habe ich kein Gebot vom Herrn.“ 2 Warum? Weil auch der Apostel aus eigenem Entschlusse und nicht auf ein Gebot hin jungfräulich blieb. Man darf nicht auf die hören, die ihm eine Gattin andichten. 3 Denn dort, wo er über die Enthaltsamkeit redet und zur ständigen Keuschheit rät, lesen wir: „Ich will aber, daß alle so sind, wie auch ich bin.“ 4 Und etwas später: „Den Ledigen und Witwen sage ich aber: Es wäre ihnen gut, wenn sie so blieben, wie auch ich bin.“ 5 Und an einer anderen Stelle schreibt er: „Haben wir nicht vielleicht die Freiheit, eine Frau mit uns herumzuführen, wie auch die übrigen Apostel?“ 6 Warum also hat er über das jungfräuliche Leben kein Gebot des Herrn? Weil das, was ungezwungen angeboten wird, größeren Wert hat. Hätte der Herr die Jungfräulichkeit zur Pflicht gemacht, dann konnte es scheinen, als sei die Ehe abgeschafft. Es wäre aber überaus hart gewesen, gegen die Natur einen Zwang aufzuerlegen, von den Menschen ein Leben zu verlangen, wie es die Engel führen, und damit in gewissem Sinne das Werk der Schöpfung zu verurteilen.

[S. 85]

1: Diesen nicht gerade glücklichen Ausdruck hat später Rufin schwer angegriffen (Apol. c. Hier. II 10 M PL XXI 592 f.).
2: 1 Kor. 7, 25.
3: Clemens von Alexandrien (Stromata III 6, 53. Griech.christl. Schriftsteller der ersten drei Jahrhunderte XV 220 [Stählin]).
4: 1 Kor. 7, 7.
5: Ebd. 7, 8.
6: Ebd. 9, 5 (uxores circumducendae).

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger