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Hieronymus († 420) - Briefe
II.a. Aszetische Briefe: Über die kirchlichen Stände und ihre Aszese
22. An Eustochium

19.

Doch da höre ich schon den Vorwurf: „Wagst du so die Ehe herabzusetzen, die vom Herrn gesegnet ist?“ 1 Es bedeutet keine Herabwürdigung der Ehe, wenn ich ihr die Jungfräulichkeit vorziehe. Niemand vergleicht das Schlechte mit dem Guten. Auch die verheirateten Frauen haben ihren Ruhm, folgen sie doch gleich hinter den Jungfrauen. Der Herr sagt: „Wachset und mehret euch und erfüllet die Erde!“ 2 Wer also die Erde anfüllen will, der möge wachsen und sich mehren. Du aber gehörst zu den Bewohnern des Himmels. „Wachset und mehret euch“ ist ein Gebot, das aus der Zeit nach dem Paradiese stammt, als die Menschen erkannten, daß sie nackt [S. 82] waren, und sich mit Feigenblättern bedeckten, 3 die hindeuten auf die mit der Ehe verbundene Begierlichkeit. Es heirate und lasse sich heiraten, wer im Schweiße seines Angesichtes sein Brot ißt, dem die Erde Dornen und Disteln hervorbringt, dessen Pflanzung im Gestrüpp erstickt. 4 Mein Samenkorn ist fruchtbar in hundertfältiger Frucht. 5 Nicht alle fassen das Wort Gottes, sondern nur die, denen es gegeben ist. 6 Den einen mag die Notwendigkeit zum Eunuchen machen, ich bin es aus freier Bestimmung. „Es gibt eine Zeit, sich zu umarmen, und eine Zeit, sich der Umarmung zu enthalten; eine Zeit, Steine zu zerstreuen, und eine Zeit, sie zu sammeln.“ 7 Nachdem dem Abraham aus den herzensharten Heidenvölkern Kinder erzeugt wurden, da fingen die heiligen Steine an, sich über die Erde hinzuwälzen. 8 Die Stürme dieser Welt ziehen vorüber, und mit der Schnelligkeit der Räder wälzen sie sich dahin am Streitwagen Gottes. Es mögen sich die Kleider nähen, welche das ihnen von Gott geschenkte ungenähte Kleid 9 verloren haben, die Freude haben am Geschrei der Kinder, die gleich zu Beginn ihres Lebens darüber weinen und trauern, daß sie geboren sind. Im Paradiese lebte Eva jungfräulich. Als sie jedoch mit Tierfellen sich kleidete, 10 da nahm die Ehe ihren Anfang. Dein Gefilde ist das Paradies. Bewahre den Zustand, in dem Du geboren bist, und sprich: „Kehre zurück, meine Seele, in deine Ruhe!“ 11 Du sollst nämlich wissen, daß die Jungfräulichkeit der natürliche Zustand ist, während es zur Ehe erst nach dem Sündenfalle kam. 12 Deshalb geht auch das [S. 83] jungfräuliche Fleisch aus der Ehe hervor, so daß es in der Frucht zurückgibt, was es in der Wurzel verloren hatte. Ein Reis wird hervorgehen aus der Wurzel Jesse, und eine Blume wird aufblähen aus seiner Wurzel. 13 Das Reis ist die Mutter des Herrn, ein einfaches, reines, unversehrtes 14 Reis, ohne einen von außen eingepflanzten Keim, das ähnlich wie Gott aus sich allein fruchtbar ist. Die aus diesem Reis erblühende Blume ist Christus, der von sich sagt: „Ich bin die Blume des Feldes und die Lilie der Täler.“ 15 Eine andere Stelle bezeichnet ihn als den Stein, der ohne Menschenhand vom Berge absplittert. 16 Damit will die Weissagung andeuten, daß er jungfräulich aus der Jungfrau geboren wurde. Unter den Händen ist die eheliche Zeugung zu verstehen, wie die Stelle: „Seine Linke ruht unter meinem Haupte, und seine Rechte umarmet mich“ 17 dartut. Mit dieser Auffassung stimmt auch überein, daß die Tiere, welche Noe paarweise in die Arche aufnimmt, unrein sind; 18 denn die ungerade Zahl ist die reine. Und Moses sowie Josue, der Sohn Naves, erhalten den Befehl, mit entblößten Füßen das Heilige Land zu betreten. 19 Die Apostel werden zur Verkündigung des Evangeliums ausgesandt ohne Schuhe und Ledertasche, die für sie eine Behinderung bedeutet hätten. 20 Und die Soldaten, welche Jesu Kleider durch das Los unter sich teilten, 21 fanden keine Schuhe vor, die sie mitnehmen konnten. Selbstverständlich konnte der Herr nicht selber tragen, was er seinen Dienern untersagte.

1: Ebd. 1, 28.
2: Ebd.
3: Gen. 3, 7.
4: Ebd. 3, 17 ff.
5: Matth. 13, 8. Mit der hundertfältigen Frucht ist die Jungfräulichkeit gemeint.
6: Matth. 19, 11..
7: Ekkle. 3, 5.
8: Zach. 9, 16 (nach LXX). Diese an sich kaum verständliche Stelle erhält ihre Beleuchtung durch den Kommentar zu Zacharias. Dort heißt es, daß die Heiden angefangen haben, in den Bau der Kirche einzutreten, die auf Christus als auf ihrem Fundament aufgerichtet ist. (M PL XXV 1560 f.).
9: Joh. 19, 23.
10: Gen. 3, 21.
11: Ps. 114, 7.
12: s. S. 59.
13: Is. 11, 1.
14: sinceris statt sincera (vgl. hierzu F. Neue, Formenlehre der lateinischen Sprache II3. Berlin 1892, 166 f.).
15: Hohel. 2,1.
16: Dan. 2, 34. 45.
17: Hohel. 2, 6.
18: Gen. 7, 2.
19: Exod. 3, 5; Jos. 5, 16.
20: Matth. 10, 10.
21: Ebd. 27, 35.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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