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Hieronymus († 420) - Briefe
II.a. Aszetische Briefe: Über die kirchlichen Stände und ihre Aszese
22. An Eustochium

17.

Deine Freundinnen sollst Du unter denen suchen, welche Du vom Fasten mager werden siehst, deren Gesicht blaß aussieht, die sich durch ihr Alter und ihren Lebenswandel bewährt haben, die alle Tage in ihrem Herzen singen: „Wohin führst du die Herde? Wo ruhest du zur Mittagszeit?“, 1 die aus innerem Verlangen sprechen: „Ich verlange aufgelöst zu werden, um bei Christus zu sein.“ 2 — Sei Deinen Eltern untertan! 3 Ahme hierin Deinem Bräutigam nach! Laß Dich selten in der Öffentlichkeit sehen! Die Märtyrer magst Du in Deinem Kämmerlein verehren. Wenn Du immer ausgehen willst, mag es nötig, mag es nicht nötig sein, dann wird es nie an einem Grunde zum Ausgehen mangeln. Sei mäßig im Essen und überlade Deinen Magen nicht mit Speise! Es gibt sehr viele, die mäßig sind im Genusse des Weines, dafür aber sich berauschen an der Fülle der Speisen. Wenn Du Dich nachts zum Gebete erhebst, dann soll Dich der volle Magen nicht belästigen, vielmehr mag Dich der Hunger quälen. Greife häufig zu einem Buche und lerne, soviel Du nur lernen kannst! Mit dem Buche in der Hand soll Dich der Schlaf überraschen, und die Blätter der Hl. Schrift mögen das nickende Haupt auffangen. Faste täglich und vermeide bei der Mahlzeit die völlige Sättigung! Es hat keinen Zweck, zwei oder drei Tage einen leeren Magen mit herumzuschleppen, wenn er dann ebenso lange überfüttert und das Fasten durch volle Sättigung ausgeglichen wird. Sofort erstarrt der überladene Geist, und die allzu reichlich begossene Erde läßt die Dornen der Begierde aufwachsen. Wenn Du fühlst, daß der äußere Mensch sich aufbäumt bei den Regungen jugendlicher Lust, wenn Dich nach der Mahlzeit auf dem Ruhelager das süße Spiel der Begierden [S. 80] reizt, dann ergreife den Schild des Glaubens, der die Feuerpfeile des Teufels zum Erlöschen bringt. 4 Alle sind Ehebrecher, einem Glutofen gleicht ihr Herz. 5 Du aber, die Du auf den Spuren Christi wandelst und Dich nach seinen Worten richtest, sprich: „Brannte nicht unser Herz auf dem Wege, als Jesus uns die Schrift eröffnete?“ 6 Oder: „Dein Wort ist gar feurig, und dein Diener erfreut sich an ihm.“ 7 Es ist für das menschliche Herz schwer, nichts zu haben, woran es hängt. Notwendigerweise muß es bestimmten Neigungen nachgehen. Die Liebe zum Geistigen überwindet die fleischliche Liebe. Eine Sehnsucht löscht die andere aus. Je mehr die eine abnimmt, desto stärker wird die andere. Wiederhole immer wieder: „Auf meinem Bette in der Nacht suche ich den, den meine Seele liebt.“ 8 „Ertötet also“, sagt der Apostel, „eure Glieder auf Erden.“ 9 Deshalb konnte er auch selbst zuversichtlich sagen: „Ich lebe, aber nicht ich, vielmehr Christus lebt in mir.“ 10 Er, der seine Glieder abtötete und einem Schattenbilde gleich einherging, konnte ohne Bedenken sprechen: „Ich bin geworden wie ein Schlauch im Reife. 11 Die Feuchtigkeit, soweit sie noch in mir steckte, ist herausgekocht. Vom Fasten sind meine Knie schwach geworden. 12 Ich habe vergessen, mein Brot zu essen. Von der Stimme meines Seufzens klebt mein Gebein an meinem Fleische.“ 13

1: Hohel. 1, 6.
2: Phil. 1, 23.
3: Luk. 2, 51.
4: Eph. 6, 16.
5: Osee 7, 4.
6: Luk. 24, 32.
7: Ps. 118, 140.
8: Hohel. 3, 1.
9: Kol. 3, 5.
10: Gal. 2, 20.
11: Ps. 118, 83.
12: Ps. 108, 24.
13: Ebd. 101, 5 f.

 

 

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Einleitung zu den Briefen des Hieronymus
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger