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Hieronymus († 420) - Briefe
II.a. Aszetische Briefe: Über die kirchlichen Stände und ihre Aszese
22. An Eustochium

16.

Mit verheirateten Frauen sollst Du keine Gesellschaft pflegen. Ich will auch nicht, daß Du in den vornehmen Häusern Besuche machst. Du sollst nämlich nicht zu oft daran erinnert werden, worauf Du bei Deinem Entschlüsse, ein jungfräuliches Leben zu führen, verzichtet hast. Die Frauen bilden sich nämlich gerne etwas auf ihre Männer ein, wenn sie ein richterliches Amt oder sonst eine Würde bekleiden. Wenn der Ehrgeiz wetteifert, die Gemahlin des Kaisers zu begrüßen, warum sollst Du Deinem Bräutigam eine Unbill zufügen? Warum eilst Du, die Braut Christi, zur Gattin eines Menschen? In diesem Punkte ist ein heiliger Stolz erlaubt. Du sollst Dir bewußt sein, daß Du besser bist als diese anderen. Du sollst aber nicht bloß den Zusammenkünften jener Frauen fernbleiben, die auf die Stellung ihrer Männer stolz sind, die umgeben sind von einer Schar von Eunuchen und die sich in golddurchwirkten Kleidern bewundern lassen. Auch solche Frauen meide, welche Witwen sind, der Not gehorchend. Damit will ich keineswegs sagen, daß sie den Tod ihrer Männer hätten herbeiwünschen sollen, sondern ich meine damit, daß sie die Gelegenheit, ein enthaltsames Leben zu führen, hätten freudig ergreifen sollen. Mit dem Kleide allein ändert sich noch lange nicht ihr früheres Sinnen und Trachten. Ihrer Sänfte geht ein Zug Eunuchen voraus. Ihr Antlitz ist voll, ihre Wangen blühen in rosiger Frische. Man möchte glauben, daß sie nicht den Gatten verloren haben, sondern auf der Suche nach einem solchen sind. Ihr Haus ist voll Schmarotzern, und die Schmausereien nehmen kein Ende. Selbst Geistliche, deren Wort belehren, deren Zurückhaltung vorbildlich wirken sollte, küssen das Haupt der Matronen und halten dabei zur Täuschung der Uneingeweihten die Hand wie zum Segen, in Wahrheit um den Lohn für ihren Gruß entgegenzunehmen. Aber der Übermut solcher Frauen, die erkennen, wie Priester ihres Schutzes bedürfen, steigt ins Ungemessene. Nachdem sie im [S. 79] Ehestande die Herrschaft der Männer kennengelernt haben, ziehen sie die Ungebundenheit des Witwenstandes vor, nennen sich enthaltsam und Nonnen und träumen nach zweifelhaften Mahlzeiten 1 von ihren „Aposteln“.

1: Terentius, Phormio 342.

 

 

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Einleitung zu den Briefen des Hieronymus
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger