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Hieronymus († 420) - Briefe
II.a. Aszetische Briefe: Über die kirchlichen Stände und ihre Aszese
22. An Eustochium

1.

„Höre, meine Tochter, öffne Deine Augen und neige Dein Ohr! Vergiß Dein Volk sowie das Haus Deines Vaters, und der König wird nach Deiner Schönheit verlangen!“ 1 So spricht der Herr zur menschlichen Seele im vierundvierzigsten Psalm. Sie soll nach dem Beispiel Abrahams fortziehen aus ihrem Lande und aus ihrer Verwandtschaft; 2 sie soll die Chaldäer, d, h, die bösen Geister, verlassen und Wohnung nehmen im Lande der Lebenden, nach welchem sich der Prophet anderwärts seufzend sehnt, wo er spricht: „Ich glaube die Güter des Herrn zu schauen im Lande der Lebenden.“ 3 Es genügt aber nicht, aus Deinem Vaterlande wegzuziehen, Du mußt auch Dein Volk und Dein Vaterhaus vergessen. Mit anderen Worten: „Du mußt den Lockungen des Fleisches entsagen und darfst Dich nur dem himmlischen Bräutigam hingeben.“ Es steht ferner geschrieben: „Schaue nicht zurück und bleibe nicht in der näheren Umgebung stehen, sondern suche deine Rettung auf dem Berge, damit dich nicht etwa das Verderben überrasche!“ 4 Man darf sich nicht umschauen, nachdem man die Hand an den Pflug gelegt hat, oder vom Felde aus nach Hause zurückkehren. Wer das Kleid Christi trägt, soll nicht vom Dache herabsteigen, um ein anderes Gewand zu holen. 5 Ist dies nicht merkwürdig? Ein Vater ermahnt seine Tochter, Du mögest [S. 62] nicht mehr Deines Vaters gedenken. „Ihr habt den Teufel zum Vater und wollt nach den Gelüsten dieses eures Vaters leben“, sagt Jesus zu den Juden. 6 An einer anderen Stelle heißt es: „Wer Sünde tut, stammt vom Teufel.“ 7 Zunächst, gezeugt von einem solchen Vater, sind wir schwarz. Wenn wir aber dann Buße tun, ohne damit den Gipfel der Tugend bereits erreicht zu haben, sprechen wir: „Schwarz bin ich und doch schön, ihr Töchter Jerusalems.“ 8 Tue ich Buße, so habe ich das Haus meiner Kindheit verlassen, meinen Vater vergessen. Durch sie werde ich in Christus wiedergeboren. Was wird der Lohn dieses Tausches sein? Die Antwort lautet: „Der Herr wird nach deiner Schönheit verlangen.“ 9 Das also ist das große Geheimnis. 10 Deshalb wird der Mann Vater und Mutter verlassen und seiner Gattin anhängen und werden sie zwei in einem Fleische 11 sein? Nein, nicht in einem Fleische, wie es an der Stelle heißt, sondern in einem Geiste. Dein Bräutigam stellt keine anmaßenden Forderungen und kennt keinen Stolz, führt er doch aus Äthiopien seine Gattin heim. 12 Sobald Du die Weisheit des wahren Salomon hören willst und zu ihm kommst, 13 dann macht er Dich mit allem vertraut, was er weiß. 14 Dann führt Dich der König in sein Gemach. 15 Dort wird wie durch ein Wunder Deine Farbe sich ändern, und man wird auf Dich die Worte anwenden können; „Wer ist sie, die nun heraufsteigt in blendender Weiße?“ 16

1: Ps. 44, 11 f.
2: Gen. 12, 1.
3: Ps. 26, 13.
4: Gen. 19, 17 (nach LXX).
5: Luk. 9, 62; Matth. 24, 17 f.
6: Joh. 8, 44.
7: 1 Joh. 3, 8.
8: Hohel. 1, 4.
9: Ps. 44, 12.
10: Eph. 5, 32.
11: Gen. 2, 24.
12: Num. 12, 3, 1.
13: Matth. 12,42.
14: 2 Chron. 9, 2.
15: Hohel. 1, 3.
16: Ebd. 8, 5 (nach LXX).

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger