Titel newsletter aktuell suche Titel werke start

Diese Datenbank wird nicht mehr weiter ergänzt. Bitte verwende Sie die neue Seite hier: https://bkv.unifr.ch

Hieronymus († 420) - Briefe
I. Briefe familiären Charakters
38. An Marcella

4.

Unsere Witwe schmückte sich früher mit Kleinodien und erholte sich den ganzen Tag vom Spiegel Rats, um festzustellen, was ihr noch fehlte. Heute spricht sie zuversichtlich: „Wir alle aber schauen mit enthülltem Antlitze wie in einem Spiegel die Herrlichkeit des Herrn und werden umgewandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit wie vom Geiste des Herrn.“ 1 Einst machten ihr die Dienstmädchen das Haar zurecht und zwängten den Scheitel, der doch nichts verbrochen hatte, in gekräuselte Kopfbinden ein. Heute verzichtet sie auf diese Haarpflege und begnügt sich damit, das Haupt zu verhüllen. In jener Zeit waren ihr weichliche Federbetten noch zu hart, kaum konnte sie auf den aufgestapelten Polstern liegen. Jetzt erhebt sie sich eilends zum Gebete, nimmt mit ihrer melodischen Stimme den anderen [S. 44] das Alleluja 2 vorweg und fängt als erste an, ihren Herrn zu loben. Sie kniet sich auf die bloße Erde, und mit reichlichen Tränen reinigt sie ihr Antlitz, das sie einst mit Bleiweiß besudelt hat. Ist sie mit dem Gebete der Psalmen zu Ende, so versagen der müde Nacken und die wankenden Knie den Dienst, aber den vor Müdigkeit zufallenden Augen gönnt der fromme Eifer kaum einige Ruhe. Da sie eine dunkle Tunika trägt, so hat sie jetzt weniger Sorge, sie zu beschmutzen, wenn sie sich auf den Boden kniet, Ihr Schuhwerk ist einfach. Was sie früher für ihre goldgestickten Schuhe ausgab, das verteilt sie jetzt unter die Dürftigen. Weder Gold noch Edelsteine schmücken ihren Gürtel. Er ist aus Wolle und in seiner Einfachheit, jeder Verzierung bar, eher geeignet, die Kleider zusammenzuhalten als sie zu zerreißen. Wenn die Schlange scheelen Auges auf dieses heilige Vorhaben blickt und mit verführerischen Worten sie überreden will, wieder von dem verbotenen Baume zu essen, dann möge sie nicht mit dem Fuße, sondern mit dem Anathem zerschmettert werden. In ihrem Staube sterbend, 3 mag sie das Wort vernehmen: „Weiche zurück, Satanas!“ 4 was soviel wie Widersacher bedeutet. Der Widersacher Christi ist aber der Antichrist, also der, dem Christi Gebote missfallen

1: 2 Kor. 3, 18.
2: In den christlichen Häusern war zu jener Zeit das Alleluja der Morgengruß. Vgl. ep. 46, 12 ad Marcellam (s, S. 308) und ep. 107, 4 ad Laetam (s. S. 394).
3: Gen. 3.
4: Matth. 16, 23; Mark. 8, 33.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu den Briefen des Hieronymus
Verzeichnisse

Navigation
I. Briefe familiären ...
. Mehr
. 8. An den Subdiakon ...
. 9. An den Mönch Chry...
. 10. An den greisen ...
. 11. An die Jungfrauen ...
. 12. An den Mönch ...
. 13. An Tante Castorina ...
. 31 An Eustochium
. 32. An Marcella
. 38. An Marcella
. . [Vorwort]
. . 1.
. . 2.
. . 3.
. . 4.
. . 5.
. 43. An Marcella
. 44. An Marcella
. 47. An Desiderius ...
. 68. An Castricianus ...
II.a. Aszetische Briefe: ...
II.b. Aszetische Briefe: ...
II.c. Aszetische Briefe. ...
II.d. Aszetische Briefe: ...
III.a. Polemisch-apolo...
III.b. Polemisch-apolo...
III.c. Polemisch-apolo...
IV.a. Briefe wissensch...
IV.b. Briefe wissensch...
V. Briefe kirchenrecht...
VI. Briefe an Theophilus ...
VII. Briefe an Augustinus ...

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger