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Hieronymus († 420) - Briefe
I. Briefe familiären Charakters
11. An die Jungfrauen in Haemona

[Brief]

Das kleine Stück Papier, auf das ich schreiben muß, verrät, daß ich in einer Einöde lebe. Ich sah mich daher gezwungen, das geplante ausführliche Schreiben auf den kleinen zur Verfügung stehenden Raum zusammenzudrängen. Gern hätte ich mich ausführlicher mit Euch unterhalten; aber das armselige Blättchen nötigt mich, manches zu übergehen. Aber schließlich hat der Geist die Armut überwunden. Der Brief ist zwar klein, aber er enthält viel. Gerade in dieser Stunde der Not könnt Ihr auf meine Anhänglichkeit schließen, da mich selbst der Mangel am geeigneten Material nicht vom Schreiben abhalten konnte. Ihr aber möget es meinem Schmerze nachsehen, wenn ich mich verletzt fühle — unter Tränen und mit Entrüstung gestehe ich es; denn nicht einen Buchstaben hattet Ihr für mich, der ich Euch so manchen Dienst erwiesen habe, übrig. Ich weiß, daß zwischen Licht und Finsternis eine Gemeinschaft unmöglich ist, 1 daß es keine Beziehungen geben kann zwischen Dienerinnen des Herrn und Sündern. Aber auch die Buhlerin durfte des Herrn Füße waschen, 2 und von den Brosamen der Herren nähren sich die Hunde. 3 Auch kam der Heiland nicht, um die Gerechten zu berufen, sondern die Sünder; 4 denn nicht die Gesunden bedürfen des Arztes. 5 Er will nicht den Tod des Sünders, sondern seine Bekehrung. 6 Das irrende Schäflein trägt er auf seinen Schultern nach Hause, 7 und den verlorenen Sohn nimmt der Vater bei seiner Heimkehr mit Freuden auf. 8 Der Apostel sagt sogar: „Richtet nicht vor der Zeit! 9 Wer bist Du denn, daß Du über einen fremden Knecht urteilst? Er stehe oder falle seinem eigenen Herrn. 10 [S. 32] Wer steht, sehe zu, daß er nicht falle. 11 Einer trage des anderen Last“ 12 Geliebteste Schwestern, wie Ihr seht, urteilt die menschliche Scheelsucht anders wie Christus. Vor seinem Richterstuhle lautet das Urteil anders wie in den Schlupfwinkeln der Ohrenbläser. Den Menschen scheinen viele Wege gerecht, 13 die sich später als sündhaft erweisen. Oft wird ein Schatz in irdenen Gefäßen aufbewahrt. 14 Bittere Reuetränen haben dem Petrus, der den Herrn dreimal verleugnete, die verlorene Gunst zurückgewonnen. 15 Wem mehr nachgelassen wird, der liebt auch mehr. 16 Von der ganzen Herde spricht kein Mensch, aber über die Genesung eines todkranken Stückes freuen sich die Engel im Himmel, 17 Wem die Berufung auf diese Stelle unangebracht scheint, der höre auf das Wort des Herrn: „Freund, warum ist dein Auge schalkhaft, wenn ich gut bin?“ 18

1: 2 Kor. 6, 14.
2: Luk. 7, 38.
3: Matth. 15, 27.
4: Matth. 9, 12 f.; Mark. 2, 17; Luk. 5, 32.
5: Luk. 5, 31.
6: Ezech. 33, 11.
7: Luk. 15, 4 f.
8: Ebd. 15, 20 ff.
9: 1 Kor. 4, 5.
10: Röm. 14, 4.
11: 1 Kor. 10, 12.
12: Gal. 6, 2.
13: Sprichw. 14, 12; Ezech. 18, 25.
14: 2 Kor. 4, 7.
15: Matth. 26 75.
16: Luk. 7, 47
17: Ebd. 15, 10.
18: Matth. 20, 15.

 

 

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Einleitung zu den Briefen des Hieronymus
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger