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Hieronymus († 420) - Briefe
I. Briefe familiären Charakters
8. An den Subdiakon Niceas zu Aquileja

[Brief]

Wo der Komödiendichter Turpilius1 vom Briefwechsel spricht, da bezeichnet er ihn als das einzige Mittel, durch welches Abwesende zu Anwesenden zu machen sind. Ist es auch genau genommen nicht so, so hat der Ausspruch doch seine Berechtigung. In der Tat, wenn man mit denjenigen, die man liebt, in seinen Briefen spricht, oder wenn man sie aus ihren Briefen hört, werden sie einem da nicht, obwohl sie lern weilen, gegenwärtig? Deshalb pflegten schon jene wilden Menschen in Italien, welche Ennius Uralte nennt 2 und die nach Ciceros Worten in seiner Rhetorik wie wilde Tiere lebten, sich gegenseitig Nachrichten zuzuschicken. 3 Da sie Papier und Pergament nicht kannten, benutzten sie hierzu geglättete Holztäfelchen oder Baumrinde. 4 Deshalb nannte man auch die Überbringer solcher Briefe Tabellarii 5 und die Schreiber nach dem Baumbaste (liber) Librarii. Um wieviel mehr sollten wir Kulturmenschen diese Sitte üben, wenn sie bei denen gepflegt wurde, die in einem Zustande der Unkultur ohne feinere Lebensart ihre Tage verbrachten. Nimm Dir ein Beispiel an dem ehrwürdigen Chromatius und seinem heiligen Bruder Eusebius, 6 der ihm nicht nur dem Blute, sondern auch der Gesinnung nach verwandt ist Beide haben midi zum gegenseitigen brieflichen Gedankenaustausch angeregt. Du hast mich [S. 25] kaum verlassen und lösest oder besser gesagt zerreißest unsere junge Freundschaft, was doch Lälius wohlweislich als unstatthaft hinstellt. 7 Oder ist Dir der Orient so verhaßt, daß Du Dich scheust, selbst Briefe nach hier zu senden? Auf drum! Erhebe Dich vom Schlafe 8 und opfere ein einziges Blättchen Papier der Liebe, wo es Dir in der Heimat gut geht und Du in wehmütiger Erinnerung der Reisen gedenkst, die wir zusammen gemacht haben. Wenn Du mich noch liebst, dann schreibe mir wieder! Bist Du erbost auf mich, dann sei es, aber schreibe! Bei meiner Sehnsucht wird es mir schon ein großer Trost sein, wenn ich überhaupt einen Brief von einem Freunde erhalte, sei es auch von einem schmollenden.

1: Der Komödiendichter S. Turpilius, † um 104 v. Chr. zu Sinuessa. (Nur wenige Bruchstücke erhalten.) Vgl. Ribbeck, Comicorum Romanorum fragmenta. Leipzig 1873, 111.
2: Cicero, Tuse. I 12, 27; Ennius, Ann. I 35.
3: Cicero, De invent. I 2.
4: Vgl. Plinius, Hist. nat. XIII 11. 69.
5: Festus 542 (Thewrewk de Ponor I Budapest 1889).
6: Vgl. ep, 7 ad Chromatium, Jovinum et Eusebium.
7: Cicero, De amic. 21, 76.
8: Röm. 13, 11.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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