Titel newsletter aktuell suche Titel werke start

Diese Datenbank wird nicht mehr weiter ergänzt. Bitte verwende Sie die neue Seite hier: https://bkv.unifr.ch

Hieronymus († 420) - Briefe
I. Briefe familiären Charakters
7. An Chromatius, Jovinus und Eusebius

2.

Jetzt unterhalte ich mich mit Eurem Briefe, ich umarme ihn, er spricht mit mir, er allein versteht hier die lateinische Sprache. Hier muß man nämlich ein barbarisches Idiom lernen, das kaum als Sprache zu bezeichnen ist, 1 oder man muß ganz schweigen. So oft die Schriftzüge einer bekannten Hand liebe Gesichter vor [S. 19] mir erstehen lassen, ebensooft bin ich von hier abwesend, oder es ist mir, als leistet Ihr mir hier Gesellschaft. Glaubet den Worten der Liebe; denn sie sind lautere Wahrheit. Auch jetzt, wo ich diesen Brief schreibe, sehe ich Euch vor mir. Zuerst aber muß ich darüber Klage führen, daß Ihr mir, wo doch soviel Meer und Land zwischen uns liegt, nur einen so kurzen Brief geschickt habt. Vielleicht wolltet Ihr mich dafür strafen, daß ich Euch, wie Ihr erwähnt, bisher noch nicht geschrieben habe. An Papier hat es Euch gewiß nicht gefehlt; denn der Handel führt es reichlich aus Ägypten ein. Und als einmal ein Ptolemäus die Ausfuhr verbot, da sandte der König Attalus die dünnen Haute aus Pergamon, um so dem Mangel an Papier zu begegnen. 2 So ist ja der Name Pergament bis auf den heutigen Tag in der Überlieferung der Jahrhunderte erhalten geblieben. Wie soll ich es mir also erklären? Hatte es etwa der Bote sehr eilig? Aber eine Nacht reicht hin, um einen noch so langen Brief zu schreiben. Hat Euch irgendeine wichtige Beschäftigung abgehalten? Doch nichts ist von solcher Bedeutung, daß es den Pflichten der Liebe vorgeht. Es bleiben daher nur zwei Erklärungen übrig. Entweder es war Euch zu lästig, oder Ihr glaubtet mich dessen nicht würdig. Da will ich Euch lieber den Vorwurf der Saumseligkeit machen, als daß ich mich als unwürdig bekenne. Denn es ist eher möglich, daß Eure Nachlässigkeit sich bessert, als daß ich mir eine Liebe schaffe, die ich noch nicht besitze.

1: Hilberg entscheidet sich für die Lesart „barbarus seni sermo discendus est“ statt „semisermo“, und erklärt das sachlich nicht haltbare „seni“ mit einer hyperbolischen Übertreibung.
2: Vgl. Plinius, Hist. nat. XIII 11, 70. Ptolemäus V. Epiphanes (241—197] erließ das erwähnte Ausfuhrverbot aus Eifersucht auf die Bibliothek zu Pergamon. Plinius führt allerdings die Erfindung des Pergamentes auf Eumenes II (197—159), nicht auf Attalus zurück.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu den Briefen des Hieronymus
Verzeichnisse

Navigation
I. Briefe familiären ...
. 2. An Theodosius und ...
. 3. An Rufinus
. 4. An Florentinus ...
. 5. An Florentinus ...
. 6. An den Diakon Juli...
. 7. An Chromatius, ...
. . [Vorwort]
. . 1.
. . 2.
. . 3.
. . 4.
. . 5.
. . 6.
. 8. An den Subdiakon ...
. 9. An den Mönch Chry...
. 10. An den greisen ...
. 11. An die Jungfrauen ...
. 12. An den Mönch ...
. 13. An Tante Castorina ...
. 31 An Eustochium
. 32. An Marcella
. Mehr
II.a. Aszetische Briefe: ...
II.b. Aszetische Briefe: ...
II.c. Aszetische Briefe. ...
II.d. Aszetische Briefe: ...
III.a. Polemisch-apolo...
III.b. Polemisch-apolo...
III.c. Polemisch-apolo...
IV.a. Briefe wissensch...
IV.b. Briefe wissensch...
V. Briefe kirchenrecht...
VI. Briefe an Theophilus ...
VII. Briefe an Augustinus ...

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger